BV 1 Änderungsantrag zu „Prüfergebnisse aus der Beschlussfassung zum Straßenbahn- und Stadtbahnnetz nach Inbetriebnahme der Wehrhahn-Linie
29. Aug 2014

An Frau
Bezirksvorsteherin
des Stadtbezirks 1
Marina Spillner

Sehr geehrte Frau Spillner,

Die Verbindung des Hauptbahnhofs und der angrenzenden Innenstadt Süd-Ost mit Flingern, Düsseltal und Mörsenbroich durch die Linie 708 soll nach Inbetriebnahme der Wehrhahn-Linie entfallen. Dies trifft auch den Stadtbezirk 1, da laut Vorlage der Großteil der am Hauptbahnhof aus der 708 aussteigenden Fahrgäste in diesem Bereich seine Quelle oder sein Ziel hat (S. 10). Es geht also auch bei der 708 nicht nur um Fahrgäste die Umsteigen, sondern um Bürger*innen, die im Stadtbezirk 1 wohnen, arbeiten oder andere Ziele haben – mehr als 2.000 Menschen täglich.

Schon im Nahverkehrsplan 2002 war ein Erschließungsdefizit im Bereich Derendorf Nord und Düsseltal festgestellt worden. Damals wurde daher eine zusätzliche Buslinie vom Spichernplatz über den Schlachthof, die Münsterstraße und das Mörsenbroicher Ei vorgeschlagen. Auch eine Verlängerung der Linie 708 über die Münsterstraße zum Spichernplatz stand damals bereits im Raum – auch ohne den Plan des neuen FH-Campus.

Der vom Rat vor zwei Jahren beschlossene Prüfungsauftrag ist mit dem vorliegenden Bericht nur unzulänglich bearbeitet. Anstelle der zwei konkret diskutierten Varianten zu Beibehaltung der 708 wurden andere, deutlich ungünstigere, Wege geprüft – mit wenig überraschenden Ergebnissen. Letztendlich wird der entscheidende Punkt aber erst im Fazit des Berichts auf S. 10 genannt: die bestehende Deckelung des Defizitsausgleich, die Mehrleistungen gegenüber der Variante ohne 708 praktisch unmöglich macht.

Die Prüfungen für alternative Busverbindungen zum Hauptbahnhof können nicht überzeugen. Zunächst grundsätzlich nicht, da alle Studien und Erfahrungen zeigen, dass Busse gegenüber dem schienengebundenen ÖPNV von den Fahrgästen nicht als gleichwertig betrachtet werden. Außerdem im konkreten Fall nicht, da ein Bus, der morgens für fünf Stunden im 20 Minuten-Takt und abends für vier Stunden im 20 bzw. 30 Minuten-Takt fährt und dabei noch unterschiedliche Liniennummern hat, kaum als sinnvolles Angebot zu bezeichnen ist.

Schlussendlich ist auch die Darstellung möglicher Alternativen zu Anbindung der Altstadt eine Farce. Die von der Wehrhahn-Linie verursachten gravierenden Verschlechterungen durch die Abbindung der 706 und 715 von der Altstadt lassen sich nicht durch leicht veränderte Linienwege von regionalen Schnellbussen ausgleichen.

Die Vorstellung, dass Fahrgäste der 706 und 715, da sie nicht länger direkt zur Heinrich-Heine-Allee fahren können und am Jan-Wellem-Platz nicht in die neue U-Bahn in der -7 Ebene umsteigen wollen oder können, an der Steinstraße oder der Berliner Allee in einen regionalen Schnellbus umsteigen, um zu Altstadt zu kommen, ist nicht nachvollziehbar.

Vor diesem Hintergrund bittet die Fraktion von BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN Sie, folgenden Antrag zur Vorlage 66/ 44/2014 auf die Tagesordnung der BV 1 zu nehmen und zur Abstimmung zu bringen:

Die BV 1 bittet den OVA, die Ergebnisse der Prüfaufträge in dieser Form nicht zu Kenntnis zu nehmen und stattdessen die Verwaltung und die Rheinbahn vor weiteren Beschlussfassungen mit den tatsächlich notwendigen Prüfungen zu beauftragen:

1. Möglichkeiten zum Erhalt der Linie 708 vom Hauptbahnhof nach Düsseltal durch Erschließung neuer Fahrgastpotenziale durch eine Anbindung des neuen FH-Campus (ab Heinrichstraße über Münsterstraße und Rather Straße)

2. Möglichkeiten zur Beibehaltung der Straßenbahntrassen vom Jan-Wellem-Platz über Heinrich-Heine-Allee zum Graf-Adolf-Platz für die Linien 706 und 715 durch städtebauliche Integration der Straßenbahn in das Projekt Kö-Bogen I und unter Berücksichtigung der mit der Öffentlichkeit bereits diskutierten Gestaltungsansätze für die Breitestraße und Kasernenstraße.

Mit freundlichen Grüßen

Annette Klinke        Kira Heyden        Jürgen Kamenschek