Anfrage zur Ratssitzung am 22. Juni 2006: "Kultureller Rucksack"
25. Jul 2006

Der Rat hat am 2. Februar 2006 beschlossen, die "Bildungsoffensive" der Stadt um eine kulturelle Grundversorgung zu erweitern. Zu diesem Beschluuss haben wir die folgende Anfrage gestellt:
Düsseldorf, den 22. Mai 2006

Herrn
Oberbürgermeister
Joachim Erwin



Anfrage zur Ratssitzung am 22.6.06
hier: Kultureller Rucksack

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,

am 2. Februar 2006 hat der Rat die Verwaltung beauftragt, die Düsseldorfer Bildungsoffensiven um eine kulturelle Grundversorgung für Kinder ab drei Jahren und Jugendliche bis zum Übergang in den Beruf bzw. in die Volljährigkeit zu erweitern und diesen “kulturellen Rucksack” mit einem Startbudget von 50.000,00 € auszustatten. Die Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen bittet Sie, hierzu folgende Anfrage auf die Tagesordnung der Ratssitzung am 18. Mai 2006 zu nehmen und durch die Verwaltung beantworten zu lassen:

  1. Wie weit ist die Verwaltung mit der Entwicklung der für den kulturellen Rucksack erforderlichen Strukturen und Maßnahmen, und wann ist mit einer Vorlage des Konzeptes in den entsprechenden Fachausschüssen zu rechnen?
  2. Wie wird das Startbudget von 50.000,00 € finanziert - überplanmäßig oder aus bisher schon bestehenden Aktivitäten zum Beispiel im Rahmen des Projekts “Jugend-Schule-Kultur” oder der Offenen Ganztagsschule “abgezweigt” - und wird der Kostenrahmen zur Umsetzung der erforderlichen Strukturen und Maßnahmen aus Sicht der Verwaltung nach derzeitigem Planungsstand als ausreichend betrachtet?
  3. Inwieweit Ist bei den bisherigen Planungen berücksichtigt, dass das Konzept insbesondere die kulturelle Vielfalt unserer Einwanderungsgesellschaft widerspiegelt?


Begründung:
Bei der Diskussion in der Ratssitzung vom 2. Februar d.J. sind viele Fragen offen geblieben, zum Beispiel bezüglich der Sinnhaftigkeit dieses Antrages. Es drängte sich der Verdacht auf, dass es sich bei dem CDU/FDP-Antrag um eine wenig durchdachte aber populistische Initiative handelte. Denn wir haben in Düsseldorf das erfolgreiche Projekt “Kultur - Jugend - Schule” und Kulturarbeit ist bereits jetzt ein wesentlicher Bestandteil der Kinder- und Jugendarbeit, beispielsweise auch in der Offenen Ganztagsgrundschule. Beantwortet wurde damals auch weder die Frage nach der Angemessenheit des Finanzrahmens noch nach der Finanzierung des Betrages. Bündnis 90/Die Grünen haben sich letztlich entschlossen zuzustimmen, da es sich zunächst um einen Auftrag zur Konzepterstellung handelte und aufgrund unserer Initiative zumindest gesichert war, dass der Aspekt der kulturellen Vielfalt in das Konzept mit einfließen sollte. Nach nunmehr 4 Monaten sollte die Politik über den Stand der Planungen unterrichtet werden.

Mit freundlichen Grüßen


Clara Deilmann Marit v. Ahlefeld


Auf diese Anfrage hat die Verwaltung wie folgt geantwortet:


01/158/2006
Beigeordneter Hintzsche



Anfrage der Ratsfraktion von Bü90/Grü
Kultureller Rucksack



Frage 1:
Wie weit ist die Verwaltung mit der Entwicklung der für den kulturellen Rucksack erforderlichen Struktur und Maßnahmen, und wann ist mit der Vorlage des Konzeptes in den entsprechenden Fachausschüssen zu rechnen?

Antwort:
Im Fortgang der Bildungsoffensiven II und III soll die kulturelle Teilhabe und Grundversorgung von Kindern ab dem dritten Lebensjahr und Jugendlichen bis zum Übergang in den Beruf bzw. bis in die Volljährigkeit gestärkt werden. Dies soll durch das Instrument des sogenannten kulturellen Rucksack geschehen. Bei der Entwicklung von Strukturen und Maßnahmen ist sowohl die in Düsseldorf bestehende Infrastruktur von Kindertagesstätten, Schulen und Kinder- und Jugendfreizeiteinrichtungen als auch die kulturelle Infrastruktur dieser Stadt zu berücksichtigen. Hierfür hat der Rat 50.000,- als Startbudget zur Verfügung gestellt.

Die Verwaltung sieht folgende Maßnahmen als besonders förderungsfähig an:

‒ Kulturführerschein für Kids, - Konzept der Grundschule Südallee-, Übertragung auf weitere Grundschulen.
‒ Projekte Künstlerinnen und Künstler in Jugendfreizeiteinrichtungen
‒ Förderung von partizipativen Angeboten mit kulturellem Inhalt.
‒ Förderung der Zusammenarbeit von Kinder- und Jugendtheater, Forum freies Theater etc. mit Einrichtungen der Jugendhilfe und Schule.

Anhand der Erfahrungen aus diesen Projekten und den anderen Förderungen im Bereich „Jugend, Kultur und Schule” bzw. Angeboten im Rahmen der offenen Ganztagesschule soll eine Gesamtkonzeption entwickelt werden. Alle betroffenen Fachausschüsse sind in die Beratung einzubinden.

Frage 2:
Wie wird das Startbudget finanziert- überplanmäßig oder aus bisher schon bestehenden Aktivitäten zum Beispiel im Rahmen des Projektes „Jugend - Schule - Kultur” oder der Offenen Ganztagsschule „abgezweigt” - und wird der Kostenrahmen zur Umsetzung der erforderlichen Strukturen und Maßnahmen aus Sicht der Verwaltung nach derzeitigem Planungsstand als ausreichend betrachtet?

Antwort:
Wie bereits in der Antwort zu Frage 1 ausgeführt, hat der Rat am 2.2.2006 beschlossen, das Startbudget i. H. v. 50.000,-- Euro zur Verfügung zu stellen. Da die Mittel bis dahin nicht etatisiert waren, müssen diese überplanmäßig bereit gestellt werden. Die Deckung erfolgt gesamtstädtisch. Um weitere Kinder und Jugendliche schon ab dem Kindergartenalter bis zum Übergang von der Schule zum Beruf bzw. der Volljährigkeit zu planen, sind die Erfahrungen der Startphase auszuwerten. Weitergehende Entscheidungen sind hiervon abzuleiten.


Frage 3:
Inwieweit ist bei der bisherigen Planung berücksichtigt, dass das Konzept insbesondere die kulturelle Vielfalt unserer Einwanderergesellschaft widerspiegelt?

Antwort:
Der Verteilungsvorschlag zielt stark auf die Verbesserung der kulturellen Angebotsstruktur in Einrichtungen der Jugendhilfe. Die Besucher der Kindertagesstätten sowie der Kinder- und Jugendfreizeiteinrichtungen sind sehr oft ausländischer Herkunft. Auch die schon jetzt in verschiedensten Projekten eingesetzten Künstlerinnen und Künstler haben unterschiedlichste ethnische und kulturelle Hintergründe und stehen für eine Vielfalt von inhaltlichen Angeboten.