Antrag zu: Genderaspekte in der städtischen Kulturförderung
09. Sep 2010

An
Herrn
Bürgermeister Conzen
Vorsitzender des Kulturausschusses

Sehr geehrter Herr Bürgermeister Conzen,

die Fraktion von Bündnis 90/DIE GRÜNEN bittet Sie, folgenden Antrag auf die Tagesordnung der Sitzung am 09. September 2010 zu nehmen und zur Abstimmung zu bringen:

1. Das Kulturamt der Stadt Düsseldorf wird künftig den Zuwendungsbescheiden für Institutionelle bzw. Projekt-Förderung ein Merkblatt und einen Fragebogen zum Thema Gender Mainstreaming beifügen, die mit dem Verwendungsnachweis ausgefüllt abzugeben sind. Als Beispiel können Merkblatt und Fragebogen des Kulturamtes Freiburg dienen (s. Anlage).

2. Die Förderpraxis wird an Hand der dadurch gewonnenen Daten durch das Kulturamt in Zusammenarbeit mit dem Gleichstellungsbüro geschlechterspezifisch aufbereitet und dem Kulturausschuss dargelegt.

Sachdarstellung:
Verschiedene Studien aus europäischen Ländern belegen, dass lediglich mit 10 bis 15 Prozent der für Kulturförderung zur Verfügung stehenden Mittel das Kulturschaffen von Frauen gefördert wird. Diese Ausgangssituation veranlasst zur Fragestellung, wie gleichstellungsfreundlich Kulturschaffende durch die Stadt Düsseldorf gefördert werden.

Bislang fehlen Gendervorgaben hinsichtlich der städtischen Kulturförderung. Grundsätzlich kann aber nicht davon ausgegangen werden, dass in Düsseldorf im Kulturbereich der Anspruch der Geschlechtergerechtigkeit eingelöst wird.

Auch in Düsseldorf gilt sicher, was in einer vom Deutschen Kulturrat im Jahr 2000 im Auftrag der Kultusministerkonferenz erarbeiteten Studie „Kunst und Kultur von Frauen“ festgestellt wurde: „Dass zwar viele junge Frauen eine künstlerische Karriere anstreben und teilweise den größten Teil der Studierenden in den künstlerischen Fächern stellen, sie aber noch nicht ihrer Ausbildung adäquat an der individuellen Künstlerförderung partizipieren.“

Gender Mainstreaming in der Kulturplanung bedeutet, die unterschiedlichen Lebenssituationen und Bedürfnisse von Frauen und Männern bei der Produktion, Vermittlung und Rezeption von Kunst und Kultur sowie die unterschiedlichen Auswirkungen von Planungen zu berücksichtigen. Teilhabegerechtigkeit, Abbau von Benachteiligungen sowie eine selbst bestimmte Lebensgestaltung der Geschlechter sind die zentralen Ziele der Geschlechtergerechtigkeit, die sowohl die Ausrichtung der Kulturpolitik und Kulturförderung als auch die Kunst- und Kulturangebote in der Stadt betreffen.

Die vorgeschlagene schriftliche Befragung soll die leistungsempfangenden Künstlerinnen und Künstler in ihrem Genderbewußtsein ebenso sensibilisieren wie die leistungsgebenden Personen.

Mit freundlichen Grüßen

Marit von Ahlefeld        Toni Mörger        Clara Deilmann

 

Anlage: Merkblatt und Fragebogen des Kulturamtes Freiburg