Antrag zu: Sexistische, diskriminierende und frauenfeindliche Werbung vermeiden – Werbebeobachtungsgruppe jetzt einrichten
01. Apr 2014

An
Ratsfrau Claudia Bednarski
Vorsitzende des Ausschusses für die Gleichstellung von Frauen und Männern

Sehr geehrte Frau Bednarski,

die Fraktion von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN bittet Sie, folgenden Antrag auf die Tagesordnung der Sitzung am 1. April 2014 zu nehmen und zur Abstimmung zu bringen:

Der Rat der Stadt beauftragt die Verwaltung, eine Werbebeobachtungsgruppe einzurichten. Dazu soll die Verwaltung die Erfahrungen und Erkenntnisse der Wiener „Werbewatchgroup“ nutzen.

Sachdarstellung:
Werbung erzeugt Aufmerksamkeit, Konsumbedürfnisse und Vorbilder, die die beworbenen Produkte mit Lebensstilen, -gefühlen und -zielen bestimmter Rollenbilder verknüpfen. Sie bedient sich dabei kultureller Zeichen und Bilder und prägt diese mit. In der Werbelandschaft werden immer wieder sexistische, diskriminierende und frauenfeindliche Motive verwendet. Derartige Werbung reduziert Menschen auf überwunden geglaubte stereotype Normen und diskriminierende Rollenvorstellungen und festigt Geschlechterklischees.

Sexistische, diskriminierende und frauenfeindliche Werbung hat negative Auswirkungen für die gesamte Gesellschaft und ist in Deutschland verboten. Sie beeinträchtigt insbesondere Kinder und Jugendliche, weil sie ihre Lebenswelt nicht unerheblich beeinflusst und ihr Bild von Geschlechterrollen nachhaltig negativ prägt. Deswegen muss sexistische, diskriminierende und frauenfeindliche Werbung nicht nur zum Schutz von Frauen kritisch wahrgenommen, bewusst gemacht und unterbunden werden.

Dem deutschen Werberat als Organ der Selbstkontrolle der Wirtschaft steht bei Beanstandung von Werbekampagnen lediglich das nicht bindende Mittel der öffentlichen Rüge zur Verfügung. Da der Werberat zudem schwerpunktmäßig auf Beschwerden aus der Bevölkerung reagiert, kann er nur auf die Entfernung bereits veröffentlichter Werbemittel hinwirken.

Auf EU-Ebene wurden die Mitgliedsstaaten bereits 2008 in einer Entschließung des Europäischen Parlaments zu den Auswirkungen von Marketing und Werbung aufgerufen, durch geeignete Maßnahmen zu gewährleisten, dass diese die Achtung der menschlichen Würde und der Unversehrtheit der Person garantieren.

Solange es keine bundesweite Regelung gibt wäre es daher für Düsseldorf sinnvoll, dem erfolgreichen Vorbild der Werbebeobachtungsgruppe Wien zu folgen, die von der Wiener Stadträtin Sandra Frauenberger ins Leben gerufen wurde und seit zwei Jahren erfolgreich arbeitet (www.werbewatchgroup-wien.at).

Den Bürger*innen werden nicht nur niedrigschwellige Angebote zur Meldung von sexistischer und / oder diskriminierender Werbung gemacht, die Werbebeobachtungsgruppe entwickelte mit Expert*innen auch definierte Kriterien zur Beurteilung von Werbeinhalten und berät zusätzlich Unternehmen und Institutionen auch zu präventiven Maßnahmen. Das sollte in Düsseldorf auch möglich und selbstverständlich sein, um die Debatte um Sexismus in der Werbung endlich von der polemischen auf eine sachliche und praktische Ebene zu bringen.

Weitere Begründungen erfolgen gegebenenfalls mündlich.

Mit freundlichen Grüßen

Angela Hebeler        Birgit Müller        Karin Trepke