GRÜNE: Befürwortet Düsseldorfer Stadtspitze die Rechtssprechung des Mittelalters?
02. Nov 2011

Ungläubig reagiert die GRÜNE Ratsfraktion auf die Aussage von Kulturdezernent Hans-Georg Lohe zur Verurteilung und Verbrennung von den vermeintlichen Hexen Helena Curtens und Agnes Olmans 1738 in Gerresheim, deren Rehabilitation im kommenden Anregungs- und Beschwerdeausschuss am 03.11.2011 gefordert wird. Lohe hatte geäußert, dass das Urteil „nach langer Beweisaufnahme vom damaligen landesherrlichen bergischen Schöffengericht gefällt“ worden sei und nicht vom Rat aufgehoben werden solle. „Dann können wir in die deutsche Rechtssprechung auch wieder ähnlich ‚gut und sorgfältig begründete’ Urteile aufnehmen und Frauen und Anderslebende verurteilen“, überspitzt Ratsfrau Clara Deilmann zynisch.

Zwei Straßen nach Helena Curtens und Agnes Olmans zu benennen sei ein guter Vorschlag, ersetze aber nicht eine Rehabilitation durch den Rat. Diese sozialethische Rehabilitation setze ja nicht nur ein Zeichen für diese beiden Frauen sondern auch grundsätzlich gegen die ‚Rechtssprechung’ in einem dunklen Zeitalter der Verfolgung von Menschen, die ein Leben abseits der gesellschaftlichen Normen führen mussten oder wollten.

„Das Rathaus tut ein Gutes, die Rehabilitation der beiden Frauen zu beschließen und sich damit von der damaligen ‚Beweisführung’ und der Verurteilung aufgrund ‚Gotteslästerung, Hostienfrevel, sexueller Ungeordnetheit und Besessenheit’ zu distanzieren“, rät Deilmann abschließend.