Antrag zu: Girls’ Day in Düsseldorf – Mädchen Macht Politik oder Wie werde ich Oberbürgermeisterin?
17. Mär 2011

An
Oberbürgermeister
Dirk Elbers

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,

die Fraktion von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN bittet Sie, folgenden Antrag auf die Tagesordnung der Sitzung am 17.03.2011 zu nehmen und zur Abstimmung zu bringen:

Der Rat bittet den Oberbürgermeister, sich als Veranstalter am Girls’ Day – Mädchen-Zukunftstag zu beteiligen und am 14. April 2011 und in den Folgejahren eine Gruppe von acht Mädchen für einen Tag zum Besuch seiner Arbeitsstätte einzuladen.

Für 2012 beauftragt der Rat die Verwaltung darüber hinaus, ein Konzept für die Beteiligung der Stadt am Boys’ Day – Jungen-Zukunftstag, der 2011 erstmals bundesweit stattfindet, zu erarbeiten. Die Jungen sollen dabei insbesondere Berufe im Sozial- und Dienstleistungsbereich kennenlernen, in denen bisher nur wenige Männer arbeiten.

Sachdarstellung:
Der Girls’ Day ist das größte Berufsorientierungsprojekt für Schülerinnen. Seit dem Start der Aktion im Jahr 2001 haben bei einer stetig steigenden Zahl an Veranstaltungen insgesamt über 1.000.000 Mädchen teilgenommen. Die junge Frauengeneration in Deutschland verfügt über eine besonders gute Schulbildung.

Dennoch entscheiden sich Mädchen im Rahmen ihrer Ausbildungs- und Studienwahl noch immer überproportional häufig für „typisch weibliche“ Berufsfelder oder Studienfächer. Damit schöpfen sie ihre Berufsmöglichkeiten nicht voll aus; den Betrieben aber fehlt gerade in technischen und techniknahen Bereichen zunehmend qualifizierter Nachwuchs.

Ähnlich ist die Lage bei der politischen Repräsentanz von Frauen. Seit über einem Jahrzehnt stagniert der Anteil der Frauen in den Parlamenten von Bund und Ländern auf einem Niveau von etwa 30 %.

Und gerade in den Kommunalparlamenten – dort, wo die Demokratie ihre Basis hat und wo Frauen in besonderem Maße ihre Erfahrungen, Sichtweisen und Kompetenzen einbringen könnten – liegt ihr Anteil im Durchschnitt bei lediglich 25 %. Im Düsseldorfer Rat liegt der Frauenanteil bei 38 %, je nach Fraktion allerdings sehr unterschiedlich.

Den mit Abstand geringsten Frauenanteil weist die CDU-Fraktion mit 28,2 % aus. In allen politischen Ausschüssen, mit Ausnahme des Gleichstellungsausschusses und des Ausschusses für öffentliche Einrichtungen, sind Frauen unterrepräsentiert. Nur sieben von insgesamt 34 politischen Gremien werden von einer Frau geleitet. Dies gilt auch für die zehn Bezirksvertretungen.

Auf die Dauer kann sich ein demokratisches Gemeinwesen aber nicht damit zufriedengeben, dass die eine Hälfte der Bevölkerung nicht angemessen repräsentiert ist.

Kommunalpolitik betrifft die Menschen in ihrem unmittelbaren Lebensumfeld und prägt direkt ihre Lebensqualität: in der Ausgestaltung der Nahverkehrssysteme oder der Kinderbetreuung ebenso wie in Fragen der Energieversorgung oder der Gewerbeansiedlung und der Arbeitsplätze vor Ort.

Mit freundlichen Grüßen

Iris Bellstedt        Norbert Czerwinski      Angela Hebeler