Anfrage zu: Bulgarische und rumänische Prostituierte im Bereich Charlottenstraße
04. Sep 2013

Herrn
Wolfgang Janetzki
Vorsitzender des Ausschusses für Gesundheit und Soziales

Sehr geehrter Herr Janetzki,

bundesweit und auch in Düsseldorf steigt die Armutsprostitution. Viele der Frauen stammen aus den armen Ländern Osteuropas, in denen gerade Sinti und Roma teilweise unter elenden Bedingungen leben und keine Zukunftschancen haben. Laut Aussagen von Polizei, Ordnungsamt und den auf der Charlottenstraße tätigen Fachstellen arbeiten dort derzeit rund 100 Frauen überwiegend aus Bulgarien und Rumänien als Prostituierte.

Vor diesem Hintergrund bittet die Fraktion von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Sie, folgende Anfrage auf die Tagesordnung der Ausschusssitzung am 04. September 2013 zu nehmen, durch die Verwaltung beantworten zu lassen und die Antwort auch dem Ausschuss für die Gleichstellung von Frauen und Männern zur Kenntnis zu geben:

1. Welche Erkenntnisse hat die Stadtverwaltung über die Situation und die Probleme der Prostituierten auf der Charlottenstraße?

2. Welche Maßnamen hat die Stadtverwaltung Düsseldorf bereits ergriffen, um die Situation der Prostituierten aus Bulgarien und Rumänien im Bereich der Charlottenstraße zu verbessern, und welche weiteren Maßnahmen sind perspektivisch geplant?

3. Welche Pläne gibt es, Stellen der aufsuchenden Sozialarbeit in diesem Bereich durch bereits dort tätige Fachstellen zu fördern und zu refinanzieren?

Sachdarstellung:
Die Frauen, die auf der Charlottenstraße im Bereich der Sexarbeit tätig sind, stammen zunehmend und zu einem großen Teil aus Osteuropa und machen diese Arbeit nicht freiwillig. Viele Frauen werden durch Verschleppung oder Vortäuschung falscher Zukunftsperspektiven in die Sexarbeit gezwungen, ein großer Teil der Frauen wird auch über Familienclans in die Prostitution gebracht, und ihre Zuhälter finden sich oft im engsten Familien- oder Bekanntenkreis.

Aufgrund der isolierten Lebenslagen der Frauen ist deren Situation oft desolat, Hilfestellung und Kontaktaufnahme werden sowohl durch Sprachbarrieren als auch durch die hohe Fluktuation erschwert.

Ein akutes Problem stellt vor allem bei den Roma-Frauen der Analphabetismus dar, sowie die (nicht existente) gesundheitliche Aufklärung der Frauen: in ihren Heimatländern haben sie keinerlei Informationen über die Themen Schwangerschaft / Verhütung / Abtreibung, AIDS / HIV oder andere Krankheiten wie offene Tuberkulose erhalten.

Beratung und Hilfe können nur durch aufsuchende Sozialarbeit angeboten bzw. angenommen werden, nötig ist eine persönliche Ansprache in der Muttersprache. Mit der Frauenberatungsstelle, der AIDS-Hilfe, dem Knackpunkt (SKFM), Flingern mobil (Caritas) und dem Trebecafe (Diakonie) sind hochqualifizierte und hoch engagierte Institutionen und Personen mit diesem Problem befasst - zumeist neben ihrer normalen refinanzierten Arbeit mit Drogenkranken und Trebegängerinnen. Dringend notwenig ist daher die Bereitstellung von Mitteln, die eine muttersprachliche aufsuchende Beratung verlässlich ermöglicht.

Es ist wahrscheinlich, dass sich die Szene der Prostituierten aus Bulgarien und Rumänien in den nächsten Jahren deutlich vergrößern und verschärfen wird – auch wenn die Situation in Düsseldorf weniger dramatisch ist als beispielsweise in einigen Städten des Ruhrgebietes. Damit dies so bleibt, ist nicht Wegsehen, sondern eine kluge Ausweitung der sozialen Arbeit mit den Betroffenen durch Fachleute notwendig.

Mit freundlichen Grüßen

Susanne Ott                Pegah Edalatian-Schahriari

Antworten der Verwaltung