Haushaltsantrag zu Förderung einer Personalstelle Streetwork / Beratung für Prostituierte im Bereich Charlottenstraße
13. Nov 2013

Herrn
Wolfgang Janetzki
Vorsitzender des Ausschusses für Gesundheit und Soziales

Sehr geehrter Herr Janetzki,

die Fraktion von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN bittet Sie, folgenden Antrag auf die Tagesordnung der Sitzung am 13. November 2013 zu nehmen und zur Abstimmung zu bringen:

Für die aufsuchende Präventions-, Aufklärungs- und Beratungsarbeit mit Frauen, die auf der Charlottenstraße der Prostitution nachgehen, werden zusätzliche Mittel in Höhe von 75.000 € (Vollzeitstelle Sozialpädagog*in) zur Verfügung gestellt. Die zusätzlichen Personalkapazitäten sind für muttersprachliche und kultursensible sozialpädagogische Arbeit mit Frauen nichtdeutscher Herkunft einzusetzen.

Diese Mittel sollen den bereits im Umfeld der Charlottenstraße in diesem Feld tätigen Trägern (beispielsweise Frauenberatungsstelle, Knackpunkt, Flingern mobil, Trebecafe und AIDS-Hilfe)  zugute kommen.

Sachdarstellung
Die Situation der betroffenen Frauen, die im Bereich der Charlottenstraße der Prostitution nachgehen, viele davon bulgarische analphabetische Roma, ist allen involvierten Fachleute – von der Sozialpädagogik bis zur Polizei – bekannt. Sie war anlässlich einer Anfrage unserer Ratsfraktion im September Thema im Ausschuss für Gesundheit und Soziales.

Die Arbeit mit diesen Frauen und Mädchen wird durch mehrere mit einander kooperierenden Organisationen (Frauenberatungsstelle, Knackpunkt, Flingern mobil, Trebecafe und AIDS-Hilfe) geleistet, es gibt einen Austausch im Rahmen der Einzelfallhilfe als auch in gemeinsamen Besprechungen beim "Runden Tisch Charlottenstraße";  siehe Antwort der Verwaltung auf unsere oben genannte Anfrage.

Die Arbeit dieser Träger wird u. a. durch die Stadt Düsseldorf bezuschusst (Produkt „Gesundheitseinrichtungen“ – Beratung und Betreuung Drogenabhängiger). Die Problematik der Frauen und Mädchen nicht deutscher Herkunft, die auf der Charlottenstraße der Prostitution nachgehen, geht allerdings über den rein suchtbezogenen Sachverhalt hinaus und erfordert zum Teil alternative und auch zusätzliche Hilfsangebote. Hier kann nur muttersprachlich und kulturvermittelnd angesetzt werden – und dafür stehen bislang so gut wie keine finanziellen Mittel zur Verfügung.

Diese notwendige Arbeit machen die dort tätigen Träger ohne entsprechende Zuschüsse zusätzlich zu ihrer klassischen Arbeit mit drogenkranken Frauen und stoßen angesichts steigender Fallzahlen zunehmend an die Grenzen des Möglichen. Die Mitarbeiter*innen werden in ihrer täglichen Arbeit damit konfrontiert, welch großer Bedarf besteht. 

Der Aufwand für die aufsuchende Präventions-, Aufklärungs- und Beratungsarbeit mit Frauen und Mädchen, die auf der Charlottenstraße der Prostitution nachgehen, muss – gerade durch die besondere Problematik der Frauen aus fremden Kulturkreisen – vielfältig gestaltet werden. Deshalb sollten die zusätzliche Personalkapazität für eine Sozialarbeiterin unter den dort aktiven Trägern aufgeteilt werden, am besten durch eine Vereinbarung der Organisationen, die beim „Runden Tisch Charlottenstraße“ zusammenarbeiten.

Die Bezirksvertretung 1 hat im vorigen Jahr der Frauenberatungsstelle 6.000,- € für eine muttersprachliche Honorarstelle zur Verfügung gestellt, sowie die Erstellung einer  Informationsbroschüre in Piktogrammform (- Analphabetinnen!) in Höhe von 2.000,- € für den „Runden Tisch Charlottenstraße“ finanziert.

Dies waren parteiübergreifende Beschlüsse der Bezirksvertretung. Letztlich ist die Problematik auf der Charlottenstraße aber eine sozialpolitische gesamtstädtische Aufgabe, für die die Verfügungsmittel einer Bezirksvertretung nicht ausreichen.

Mit freundlichen Grüßen

Susanne Ott            Pegah Edalatian-Schahriari          Jürgen Kamenschek