Anfrage zu: Zwangsverheiratungen
06. Dez 2011

An
Frau
Ursula Holtmann-Schnieder
Vorsitzende des Ausschusses für die Gleichstellung von Frauen und Männern

Sehr geehrte Frau Holtmann-Schnieder,

die Fraktion von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN bittet Sie, folgende Anfrage auf die Tagesordnung der Ausschusssitzung am 06. Dezember 2011 zu nehmen und durch die Verwaltung beantworten zu lassen (die Antworten mögen bitte auch dem Integrationsausschuss zur Kenntnis gegeben werden):

1. Wie viele Mädchen und junge Frauen in welchen Lebenssituationen (Alter, Schülerin / Auszubildende / Studentin, Staatsangehörigkeit) sind in den letzten 36 Monaten in Düsseldorf als ‚von Zwangsverheiratung bedroht oder betroffen’ beraten worden?

2. Welche anderen Formen erlittener Gewalt haben die betroffenen oder bedrohten Mädchen und jungen Frauen in der Beratung angegeben?

3. In welcher Form wird Zwangsverheiratung an welchen Schulen in Düsseldorf thematisiert?

Sachdarstellung:
Die jüngst erschienene Studie von TERRES DES FEMMES und der Hamburger Lawaetz Stiftung zur „Zwangsverheiratung in Deutschland“ zeigt, dass die bisherigen Schätzungen bezüglich der Opferzahlen weit hinter den realen Zahlen lag: Statt der jährlich angenommenen circa 1.000 Mädchen und junge Frauen wandten sich etwa 3.400 an Schutz- und Beratungseinrichtungen.

Zwangsverheiratungen sind schwerwiegende Verletzungen gegen die Menschenrechte. Sie verstoßen gegen den Grundsatz der Gleichberechtigung von Frauen und Männern. Mädchen und junge Frauen müssen selbst bestimmen können, ob, wen und wann sie heiraten, ohne dass Druck auf sie ausgeübt wird, sei es durch physische Gewalt oder durch psychischen und moralischen Druck.

Dass die Stadt Düsseldorf Zwangsverheiratungen als Problem bereits erkannt hat, zeigt u. a. die 2007 durchgeführte stadtweite Düsseldorfer Projektreihe „Ehrensache(n)“. Ein Auszug aus dem Leitfaden "Ehrensache(n)" des Kriminalpräventiven Rats der Landeshauptstadt Düsseldorf zeigt auf, dass verstärkt Konzepte erarbeitet werden müssen: „Das Ausmaß dieser Menschenrechtsverletzung belegen auch die Zahlen des internationalen Frauenhauses der Arbeiterwohlfahrt (AWO) in Düsseldorf. Demnach ist jede 4. Frau, die dort untergebracht wird entweder von der Zwangsehe bedroht oder betroffen.“ Vor allem präventive Ansätze sollten in größerem Maße verwirklicht werden.

Im Vorfeld einer Zwangsverheiratung angebotene Hilfestellung und Unterstützung können nur dann von bedrohten und betroffenen Mädchen und jungen Frauen in Anspruch genommen werden, wenn sie ausreichend bekannt sind und niederschwellig angeboten werden.
Da die meisten der Mädchen und jungen Frauen jünger als 21 Jahre – fast ein Drittel sogar minderjährig – sind, ist vor allem eine fundierte, offensive und vorbeugende Aufklärungsarbeit an Schulen und Berufsschulen in Düsseldorf gefragt.

Mit Hilfe einer festen Verankerung in die Lehrpläne und / oder themenbezogener Projektwochen sind LehrerInnen, SchulsozialarbeiterInnen und auch SchülerInnen für das Thema „Zwangsverheiratung“ zu sensibilisieren. Potentiellen Opfern können so Möglichkeiten und Alternativen für eine individuelle Lebensführung aufgezeigt werden.

Mit freundlichen Grüßen

Angela Hebeler            Birgit Müller                Karin Trepke

Antworten der Verwaltung