Antrag zu: Jugendbeteiligung in der Subkultur – Wände frei für Graffitis!
20. Jan 2011

Herrn
Bürgermeister Conzen
Vorsitzender des Kulturausschusses

Sehr geehrter Herr Bürgermeister Conzen,

die Fraktion von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN bittet Sie, folgenden Antrag auf die Tagesordnung der Sitzung am 20. Januar 2011 zu nehmen und zur Abstimmung zu bringen:

Graffiti ist eine eigene anerkannte Kunstrichtung und zählt zur künstlerischen Freizeitgestaltung einer ganzen Subkultur. Die Legalisierung von Flächen ist die einzige Möglichkeit, auch in Düsseldorf dieser Kunstform Raum zum Ausdruck zu geben. Diese Flächen sollten bestimmte Kriterien erfüllen, um sowohl Sicherheit zu garantieren als auch den Ansprüchen der Sprayerinnen und Sprayer gerecht zu werden. Dazu beantragen wir:

1. Die Verwaltung erstellt einen Kriterienkatalog und setzt damit klare Rahmenbedingungen, wann eine Fläche zum Sprühen freigegeben werden kann. Der Kriterienkatalog enthält folgende Punkte:
- Da die Sprühfarbe Lösungsmittel enthält, muss die Frischluftzufuhr gewährleistet sein. Unterführungen und überdachte Flächen sind nicht optimal. Auch PassantInnen und AnwohnerInnen sollten durch die Dämpfe nicht belästigt werden.
- Große Flächen von 50 m² bis 100 m² insbesondere mit Längsausdehnung sind ideal, da so mehrere Arbeiten realisiert werden können.
- Flächen sollen so ausgewählt werden, dass an ihnen ein ruhiges und konzentriertes Arbeiten möglich ist.

2. Auf Basis des Katalogs schlagen der Jugendrat und Organisationen der Jugendpflege der Verwaltung mögliche Flächen für legales Sprühen vor. Entsprechend der Prüfung werden diese zur Verwendung freigegeben.

3. Der Jugendrat und Organisationen der Jugendpflege erarbeiten einen Vorschlag, wie eine Selbstverpflichtung der Sprayerinnen und Sprayer gestaltet werden kann und in der Szene Akzeptanz findet, sowie ein ansprechendes Logo analog zur „Wiener Taube“.

Sachdarstellung:
Untersuchungen der Universität Potsdam zeigen, dass insbesondere Selbstverwirklichung, Kreativität und Gruppengefühl die Sprayerinnen und Sprayer motivieren. Der Reiz des Verbotenen spielt nur eine untergeordnete Rolle. Sprühen ist jedoch an den meisten Wänden illegal und wird mit entsprechend hohen Strafen geahndet. Den Jugendlichen fehlen in Düsseldorf die Möglichkeiten, ihrer Art von Kunst Ausdruck zu verleihen.

Um dem Problem der Illegalität Herr zu werden, ist das Projekt der „WienerWand“ in der Stadt Wien ein einflussreiches Vorbild. Hier werden Wände zur künstlerischen Entfaltung freigegeben und mit dem Label der „Wiener Taube“ markiert. Im Tausch für die freien Flächen verpflichten sich die SprayerInnen, ausschließlich im vorgesehenen Bereich zu sprühen und den Arbeitsplatz sauber zu hinterlassen.

Das Projekt macht auch in deutschen Städten wie zum Beispiel Potsdam, Oldenburg und Tübingen Schule. Resultate im Kampf gegen illegale Graffitis lassen sich bereits feststellen. Laut Wiener Kriminalpolizei ging seit Projektstart 2005 das erste Mal die Zahl der Sachbeschädigungen durch Graffiti zurück. Der deutsche Städtetag rechnet vor, dass 40 Prozent der illegalen Graffitis durch legale Alternativen verschwinden.

Mit freundlichen Grüßen

Ahlefeld        Toni Mörger     Clara Deilmann