Antrag zu: Ulmer Höh’ als Chance für innovativen Wohnraum und Wohnprojekte
19. Mär 2012

Ratsfrau
Antonia Frey
Vorsitzende des Ausschusses für Wohnungswesen und Modernisierung

Sehr geehrte Frau Frey,

die Fraktion von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN bittet Sie, folgenden Antrag auf die Tagesordnung der Sitzung am 19. März 2012 zu nehmen und zur Abstimmung zu bringen:

Der Ausschuss für Wohnungswesen und Modernisierung (AWM) begrüßt, dass auf dem Gelände der ehemaligen Justizvollzugsanstalt Düsseldorf auf der Ulmer Höh’ Wohnraum entstehen soll. Für die nächsten Planungsschritte und das vorgesehene städtebauliche Gutachterverfahren empfiehlt der AWM dem Ausschuss für Planung und Stadtentwicklung, folgende Punkte zu berücksichtigen:

- Um das vorhandene Wohnbauflächenpotenzial für den wachsenden Bedarf auf dem Düsseldorfer Wohnungsmarkt zu erschließen, sollte an diesem urbanen Standort vorwiegend Geschosswohnungsbau geplant werden. Es ist zu prüfen, ob durch eine Verschiebung zugunsten des Geschosswohnungsbaus mehr als die im Bauflächenbericht geschätzten 500 Wohnungen realisiert werden können.

- Die umliegenden Sozialräume sind stabil und durchmischt. Durch angrenzende Neubautätigkeiten erfahren sie tendenziell Aufwertungen und Preissteigerungen. Auf der Ulmer Höh’ sollte daher ein Anteil von mind. 30% der errichteten Wohnungen mit Mitteln der Wohnraumförderung  des Landes gefördert werden können.

- Bei der Planung und Realisierung der Wohnbebauung sollten die Düsseldorfer Initiativen für innovative Wohnprojekte bedacht und aktiv angesprochen werden.

- Aufgrund der zentralen Lage und der guten verkehrlichen Erschließung sollte das Gebiet weitgehend autofrei geplant werden. Die somit mögliche Reduktion von Verkehrsflächen (für den ruhenden und fahrenden motorisierten Verkehr) sollte für zusätzliche Wohnflächen und Grün- bzw. Freiflächen eingeplant werden.

Sachdarstellung:
Laut Aussagen von Dezernent Dr. Bonin im  Planungsausschuss am 29. Februar 2012 bereiten die Landeshauptstadt Düsseldorf und der Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW (BLB) derzeit die Neuplanung des Geländes der ehemaligen JVA Düsseldorf auf der Ulmer Höh’ vor. Ziel der Planungen sei eindeutig „Wohnen“.

Auch der Bauflächenbericht sieht für dieses Plangebiet grundsätzlich Wohnbebauung vor: 300 Wohneinheiten im Geschosswohnungsbau und 200 Grundstücke für Eigenheime. Vor dem Hintergrund des angespannten Düsseldorfer Wohnungsmarktes und der zuletzt im Demografiebericht prognostizierten Bevölkerungsentwicklung müssen in der weiteren Planung verschiedene Aspekte berücksichtigt werden.

Der Standort ist absolut zentral und wird von innerstädtischer Blockrandbebauung geprägt. Die urbane Qualität Derendorfs kann durch kreative und qualitativ hochwertige Geschossbebauung gefördert werden. Gleichzeitig würde eine Reduzierung der Planzahlen für Eigenheime und eine entsprechende Erhöhung im Geschosswohnungsbau – immer in hoher städtebaulicher Qualität – die Gesamtzahl der realisierbaren Wohneinheiten erhöhen.

Die Sozialräumliche Gliederung klassifiziert das umliegende Gebiet als Rang 3. Der Anteil an öffentlich geförderte Wohnungen liegt mit 4,8% unter dem stadtweiten Schnitt. Gleichzeitig finden im unmittelbaren Umfeld (z. B. auf dem ehemaligen Rheinmetall Gelände und dem Gebiet der ehemaligen Kaserne an der Tannenstraße) erhebliche Aufwertungen statt.

Vor diesem Hintergrund ist ein Anteil von mind. 30% an Wohnungen, die mit Mitteln der Wohnraumförderung  des Landes gefördert werden können, für eine sinnvolle Durchmischung nötig und sinnvoll. Wie diese mit frei finanzierten Einheiten und ggf. Eigentumswohnungen ergänzt werden könnten, sollte im Zusammenhang mit dem städtebaulichen Verfahren diskutiert werden.

Eine gute Quelle für kreative, innovative und hoch qualitative Wohnbebauung sind Initiativen für Wohnprojekte. In Düsseldorf sind verschiedene Gruppen aktiv auf der Suche nach passenden Grundstücken zur Realisierung ihrer Projekte. Sie sollten in die Planungen aktiv mit einbezogen werden.

Über die Haltestellen Merziger Straße, Tannenstraße und  Spichernplatz mit den Straßenbahnlinien 704, 707 und 715 ist das Plangebiet optimal durch den ÖPNV erschlossen. Außerdem ermöglicht die zentrale Lage den zukünftigen Bewohner/innen einen großen Anteil ihrer Mobilität als Radfahrer/innen und Fußgänger/innen abzudecken.

Dies bietet insgesamt die Chance, das neue Quartier im Inneren weitgehend autofrei zu planen. Tiefgaragen oder Parkhäuser am Rand des Gebietes können Anwohner/innen und Besucher/innen ausreichend Platz für Car-Sharing Stellplätze sowie für die weiterhin notwendigen privaten PKW bieten. Im Wohngebiet können dafür die Flächen für den motorisierten Verkehr reduziert werden. So ließe sich ein deutlich ruhigeres und grüneres Wohngebiet planen, in dem dank des Platzgewinns auch zusätzliche Wohnungen realisiert werden können.

Mit freundlichen Grüßen

Marcus Voelker        Uwe Warnecke