Anfrage zu: Aufklärungskampagnen gegen HIV und Aids
13. Jan 2010

An
Herrn Wolfgang Janetzki,
Vorsitzender des Ausschusses für Gesundheit und Soziales

Sehr geehrter Herr Janetzki,

Es ist alarmierend, dass in Europa die Hälfte der HIV-Infizierten nichts von ihrer Infektion weiß. Die Zahl der neuen Aids-Infizierten bleibt mit ca. 3.000 neuen Fällen pro Jahr in Deutschland trotz Prävention und Aufklärungskampagnen seit 3 Jahren stabil (lt. Robert-Koch-Institut). Das ist aus unserer Sicht, trotz Stagnation, keineswegs ein Erfolg. Es gebe nirgendwo Grund zu Entwarnung oder Sorglosigkeit, betonte Prof. Jürgen Rockstroh von der Uniklinik Bonn, bei der 12. Europäischen Aids-Konferenz vor einigen Wochen in Köln.

Vor diesem Hintergrund - und auch im Hinblick auf den nahenden Karneval in Düsseldorf -bittet die Fraktion von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Sie, folgende Anfrage auf die Tagesordnung der Sitzung am 13.01.10 zu nehmen:

1. Welche Kampagnen und Aufklärungsmaßnahmen gegen die Verbreitung von HIV und Aids wurden in den letzten 3 Jahren in Düsseldorf umgesetzt:
a) an (wie vielen) Schulen, Berufskollegs, Diskotheken und an sonstigen Orten, wo Jugendliche und junge Erwachsene sich aufhalten?
b) an (wie vielen) sonstigen Orten oder zu welchen Gelegenheiten, wo  besonders viele Menschen angesprochen werden sollten, die als gefährdet angesehen werden (könnten), beispielsweise Volksfeste/Karneval, Szene-Treffs für Männer, die Sex mit Männern haben, oder für intravenös Drogenkonsumierende und/oder Prostituierte?

2. Inwieweit gibt es derzeit in der HIV-/Aids-Prävention in Düsseldorf Defizite und welche Schritte wären erforderlich, um die Präventionsmaßnahmen zu optimieren?

3. Welche konkreten Maßnahmen werden noch vor Karneval, gerade auch für Jugendliche und junge Erwachsene getroffen, um auf die Gefahren einer Ansteckung bzw. Maßnahmen zum Schutz vor Ansteckung hinzuweisen?

Sachdarstellung:
Für verschiedene Zielgruppen muss die HIV- und Aidsprävention unterschiedlich sein. Während die allgemein bevölkerungsbezogene Ansprache durch TV-/Kino-/Radiospots, Plakate usw. wirkt, müssen bestimmte Zielgruppen auf besondere Weise angesprochen werden.

Dazu gehört auch der persönliche Kontakt und die individuelle Beratung, beispielsweise bezüglich Motivation und Kommunikationsstrategien zur Nutzung von Kondomen bei den sogenannten Risikogruppen oder VirusträgerInnen. Die Wirksamkeit von Kampagnen ist also vor allem davon abhängig, wie sie durch die personalkommunikative Arbeit vor Ort, beispielsweise bei den sogenannten Risikogruppen in den „Szenen“, durchgeführt und angenommen wird.
Aber auch in der Gesamtbevölkerung zu besonderen Anlässen, wie beispielsweise dem nahenden Karneval, wo bekanntermaßen auch viele Menschen, die überwiegend nicht zu den Risikogruppen gehören, zu spontanen – meist alkoholbedingten – sexuellen Kontakten neigen. Aids ist seit Langem nicht mehr nur ein Problem für die sogenannten Risikogruppen.

Düsseldorf gehörte immer zu den deutschen Städten, die besonders stark durch HIV und Aids betroffen waren (Jahresbericht 2008 der Aidshilfe e.V., S.4). Wenn auch von 2007 auf 2008 die Zahl der registrierten Neuinfektionen von 71 auf 61 zurückgegangen ist, gibt es keinen Anlass zur Entwarnung. In DÜSSELDORF sind zurzeit. ca. 2000 Erkrankungen bekannt.

Erst wenn die Zahlen der HIV-Infizierten deutlich, nachweislich und kontinuierlich zurückgehen, kann von Erfolgen der „vor Ort“ Maßnahmen gesprochen werden.

Mit freundlichen Grüßen

Antonia Frey           Susanne Ott            Christoph Gormanns