Gesundheitliche Versorgung der ZuwanderInnen verbessern!
21. Jul 2009

In der Sitzung des Ausschusses für Gesundheit und Soziales am 2. September 2009 stellen wir einen Antrag, der sich mit der gesundheitlichen Versorgung von  Einwanderinnen und Einwanderern sowie deren Kindern befasst: Antrag Sitzung des Ausschusses am 2. September 2009
hier:     Konzept zur gesundheitlichen Versorgung von ZuwanderInnen und ihren Kindern

Sehr geehrter Herr Janetzki,

die Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen bittet Sie, folgenden Antrag auf die Tagesordnung der Sitzung am 2.9.2009 zu nehmen :

Die Verwaltung wird gebeten, bis Mitte 2010 ein Konzept zur Verbesserung der gesundheitlichen Situation und Versorgung von ZuwanderInnen und ihren Kindern in Düsseldorf zu erarbeiten und dem Ausschuss vorzulegen.
Dabei sind beispielsweise  folgende Eckpunkte zu berücksichtigen:
•    stärkere Vernetzung aller sozialen Dienste sowie der Ärzte, Krankenhäuser, Pflegedienste – und auch der Migrantenselbstorganisationen (MSO)
•    Einbeziehung der „Behinderten-Hilfe“
•    Ausbau von muttersprachlichen Angeboten und Dolmetscherdiensten
•    MultiplikatorInnen-Schulungen
•    Sensibilisierung der MitarbeiterInnen und Mitarbeiter der Regeldienste und Ausbau der Fortbildungen zur interkulturellen Kompetenz
•    Öffnung der Selbsthilfegruppen
•    Verstärkte Öffentlichkeitsarbeit
•    frauenspezifische Angebote
•    Vorsorgeuntersuchungen z.B. Schwangerschaftsvorsorge und Kindervorsorgeuntersuchungen
•    die gesundheitliche Versorgung von Menschen ohne Aufenthaltserlaubnis.

Sachdarstellung:
Bündnis 90/Die Grünen gehen davon aus, dass es in der Gesundheitsversorgung für Menschen mit Migrationshintergrund bundesweit und auch in Düsseldorf Defizite gibt.  Die Angebote des Gesundheitswesens sind in der Regel auf die Mehrheitsgesellschaft zugeschnitten und werden von ZuwanderInnen aus unterschiedlichen Gründen häufig nicht wahrgenommen oder angenommen.
Das Gesundheitsamt hat in der Vergangenheit unterschiedliche Initiativen ergriffen, um diese Probleme zu lösen. Aber auch aus der Antwort des Gesundheitsamtes auf unsere Anfrage im AGS am 1.7.09 wird deutlich, dass bezüglich der gesundheitlichen Situation von Migrantinnen und Migranten zusätzlicher Handlungsbedarf gesehen wird.
Die Vorstellungen von Gesundheit und die Behandlung von Krankheiten sind durch die jeweilige Kultur geprägt sowie durch die sozial-ökonomische Lebenslage, so dass spezielle Angebote für Menschen mit Zuwanderungsgeschichte unabdingbar sind.  Es ist nicht nur ein Ausbau der Angebote nötig, sondern wichtig ist es auch, den Zugang zu den bestehenden Angeboten zu erleichtern. 
Es gibt eine Reihe von Gründen dafür, dass Migrantinnen und Migranten die zahlreichen und guten Angebote der Gesundheitsdienste und auch der Behindertenhilfe nicht in Anspruch nehmen oder z.B. Beratungen ineffektiv sind: Fehlende Sprachkenntnisse oder kulturelle Barrieren können zu Missverständnissen oder gar zu direkten Mängeln in der gesundheitlichen Versorgung/medizinischen Behandlung führen. Auf die Problematik der Sprachbarrieren und nicht ausreichender Übersetzungsmöglichkeiten weist ja auch das Gesundheitsamt in seiner Antwort hin. Oft werden Kinder, nahe Angehörige oder Bekannte zum Übersetzen mitgebracht, deren Gegenwart eine vertrauensvolle Aussprache mit ÄrztInnen und BeraterInnen manchmal verständlicherweise erschwert.
Es fehlen muttersprachliche MitarbeiterInnen und/oder BeraterInnen mit interkultureller Kompetenz (schriftliche muttersprachliche Informationsbroschüren sind zwar ein erster Schritt in die richtige Richtung, allerdings reichen sie nicht aus, wie auch das Gesundheitsamt selbst am 1. Juli im AGS ausführte). Dass das Gesundheitsamt auf die Homepage der Kassenärztlichen Vereinigung mit einer Liste der ÄrztInnen/Therapeutinnen mit Sprachkenntnissen hinweist, ist zu begrüßen, aber wünschenswert wäre beispielsweise, dass diese Informationen auch direkt über die Internetseiten der Stadt zugänglich sind.
Die Vernetzung über die Gesundheitskonferenz ist ebenso ein guter Anfang, jedoch ausbaufähig, denn so sind z.B. die Migrantenselbstorganisationen hier nicht beteiligt. Es gibt eine Reihe von guten Handlungsinitiativen/-ansätzen wie MiMi (DRK), Coach-Mi (Diakonie), MediNetz, die in ein solches Gesamtkonzept einfließen sollten.

Mit freundlichen Grüßen

Antonia Frey             Susanne Ott