Anfrage zur Umorganisation des Bezirkssozialdienstes
13. Jan 2009

Im Herbst 2007 wurde der Bezirkssozialdienst umorganisiert. Wir fragen in der Sitzung des Ausschusses für Gesundheit und Soziales am 14. Januar 2009 nach den Konsequenzen dieser Umorganisation: Anfrage zur Umorganisation des Bezirkssozialdienstes (BSD)
zur Sitzung des Ausschusses am 14.1.2009
hier:     Auswirkungen für Menschen in prekären Lebenslagen


Sehr geehrter Herr Janetzki,

durch die im Herbst 2007 umgesetzte Veränderung des BSD mit seiner Spezialisie-rung als „Jugendhilfefachdienst“ (oder aber Fallmanagement für Seniorinnen und Senioren) scheinen zunehmend Menschen in psycho-sozialen Problemlagen, wenn sie weder Kinder haben, noch im Senioren-Alter sind, kaum mehr die Chance auf ganzheitliche Beratung haben. Hierzu bittet die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen Sie, folgende Anfrage auf die Tagesordnung der Sitzung am 14.1.2009 zu nehmen, durch die Verwaltung beantworten zu lassen und die Antwort auch den Mitgliedern des Jugendhilfeausschusses zur Kenntnis zu geben:

1.    Welche Auswirkungen hat die Umorganisation des BSD für Menschen in psy-cho-sozialen Problemlagen in unserer Stadt, die nicht in das Raster der Auf-gabenbeschreibung passen?
2.    Inwiefern ist die Verwaltung der Auffassung, dass die Eingangsberatung des BSD ausreichend ist, um Menschen in prekären Lebenslagen - beispielsweise mit einer Armutsproblematik - effektive Hilfe anbieten zu können?
3.    Ist es zutreffend, dass immer mehr der früheren Klientel den BSD gar nicht mehr als Anlaufstelle begreift und ist der Verwaltung bekannt, ob und inwie-fern die Sozialdienste der Freien Träger seit der Umorganisation des BSD zunehmend mit der früheren Klientel des Bezirkssozialdienstes befasst sind? 

Sachdarstellung:

Seit Herbst 2007 ist der Bezirkssozialdienst beispielsweise keine Unterstützungs-stelle mehr für Menschen in Armutsnotlagen, es sei denn, es sind minderjährige Kin-der oder SeniorInnen mit betroffen. In der Eingangsberatung des BSD wird hier le-diglich an andere soziale Fachdienste (Schuldnerberatung, Arbeitslosenberatung u.a.) vermittelt.  Auch den Hauswirtschaftlichen Beratungsdienst gibt es nicht mehr.
Bei vielen der Fachberatungsstellen bestehen aber Wartezeiten und diese Spezial-dienste sind genauso wenig wie nun der BSD strukturell so aufgestellt, die oft zu-sammenhängenden vielfältigen sozialen Problemlagen von Menschen in prekären Verhältnissen anzugehen. Ganz abgesehen davon, dass Menschen manchmal auch sofort Beratung/Unterstützung in aktuellen finanziellen Notlagen brauchen,  bei-spielsweise bei Stromsperrungen, Problemen mit der Zahlung von Sozialleistungen etc., wo sofortige Hilfe oder Vermittlung mit den zuständigen Stellen Not tut. 

Dies liegt jetzt nicht mehr in der Kompetenz des BSD; bei Problemen mit der ARGE beispielsweise wird an die Beschwerdestelle der ARGE verwiesen, Kontakte von Seiten des BSD mit der ARGE sind nicht mehr vorgesehen, obwohl allgemein be-kannt ist, dass nicht alle Hartz IV-Beziehenden in der Lage sind, dies  alleine erfolgreich zu bewältigen.

Den früheren breit gefächerten Ansatz sozialer Beratung und Unterstützung gibt es nicht mehr. Die Spezialisierung ist einerseits zu begrüßen, sie hat aber offensichtlich für eine große Gruppe der bisherigen Klientel den Nachteil, dass diese Menschen ohne dieses frühere umfangreiche Angebot „an einem Ort“ auf dem Weg zu ver-schiedenen Spezialberatungsdiensten schlicht „verlorengehen“, keine Hilfe erfahren und die Gefahr besteht, dass sie für Beratungs- und Unterstützungsangebote dann auch nicht mehr erreichbar sind.
Mit freundlichen Grüßen   

Antonia Frey