Änderungsantrag zu Kö-Bogen 2. BA: Entwürfe städtebaulich bewerten, nicht von Animationen blenden lassen!
26. Mär 2014

An
Ratsherrn Dr. Fils
Vorsitzender des Ausschusses für Planung und Stadtentwicklung

Sehr geehrter Herr Dr. Fils,

die Fraktion von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN bittet Sie, folgenden Ergänzungsantrag zur Vorlage 61/ 62/2014 auf die Tagesordnung der Sitzung am 26. März 2014 zu nehmen und zur Abstimmung zu bringen:

Der Ausschuss für Planung und Stadtentwicklung empfiehlt dem Rat der Stadt im Rahmen seiner Vorbereitung gem § 2 Ab. 1 der Zuständigkeitsordnung,

den Büros und Initiativen die städtebaulichen Fragen und Schwächen ihrer Entwürfe zurückzumelden. Ihnen soll im Rahmen von vier Wochen die Möglichkeit zur Klärung der Fragen und zur Überarbeitung der Entwürfe gegeben werden.

die überarbeiteten Entwürfe der Öffentlichkeit in einer Veranstaltung vorzustellen sowie in einer Ausstellung und auf der webseite www.duesseldorf.de/koebogen für vier Wochen zu präsentieren und erläutern. Auf unterschiedlichen Wegen soll den BürgerInnen in diesem Zeitraum die Möglichkeit gegeben werden, weitere Fragen zu stellen und Ihre Meinung zu äußern.

anschließend durch die Verwaltung die Ergebnisse für die politischen Gremien aufzubereiten. Die überarbeiteten Entwürfe sollen städtebaulich bewertet, Stärken und Schwächen deutlich herausgearbeitet und die Aussagen der BürgerInnen zusammengefasst werden.

Begründung
Das Verfahren ist bislang eine Farce. Nachdem im Rahmen des B-Planverfahrens zum Kö-Bogen II das Baufeld 4 von der Stadtspitze und von CDU/FDP vehement verteidigt wurde, traten vor einigen Monaten plötzlich Bedenken hinsichtlich der Blickbeziehungen auf.

Daraus resultierte ein Antrag von CDU und FDP, drei Büros mit der Ausgestaltung des Baufelds 4 im Rahmen des gültigen B-Plans (!) zu beauftragen. Laut aktueller Vorlage erweiterte OB Elbers dies zwischenzeitlich eigenmächtig auf die Baufelder 1 bis 3 und reklamiert jetzt die Urheberschaft der Idee.

Ohne sich für die Wettbewerbsregeln der Architektenkammern zu interessieren hat die Stadtspitze drei Büros ausgewählt und beauftragt. Die Aufgabenstellung ist bis heute nicht öffentlich. Die Ergebnisse wurden am 06. März in einer Veranstaltung vorgestellt. Ein Entwurf hatte es dabei bereits in die morgendliche Zeitung geschafft und wurde sogleich von CDU und FDP zum Sieger erkoren. Der Applaus und eine Handvoll gestellter Fragen am Abend werden nun als unterstützendes Votum der BürgerInnen gewertet.

Kritische Fragen zum vorgeschlagenen Städtebau werden nicht gestellt oder von den glänzenden Animationen – nachts mit Spot-Beleuchtung, tags mit Nord-Sonne – überdeckt. Jenseits der interessanten Architektur wirft der nun als Sieger offiziell vorgeschlagene Entwurf von ingenhoven architects aber eine Vielzahl an Fragen auf:

Zum neuen Jan-Wellem-Platz:
Im Lageplan ist der Platz bis zur vorhandenen Bebauung im Westen markiert. Wie sollen die Straßenbahn und die Platanenallee mitten über diesen Platz geführt werden?
Dem Lageplan sind keine klaren Raumkanten des eingezeichneten Platzes zu entnehmen. Ist die schräge Grünfläche im Norden und die Gebäudespitze im Osten tatsächlich eine Fassung des Platzes?
Welche Nutzungen sind am Rand des Platzes vorgesehen um ihn zu einem Aufenthaltspunkt zu machen – laut vorliegender Pläne ist dort keine Nutzung geplant?

Zur „Foodmarket mit Restaurant“
Wie groß ist die geplante nutzbare Fläche und ist diese ausreichend für das Betriebskonzept eine Markthalle?
In wie fern hat diese Nutzung überhaupt einen Bezug zum neuen Jan-Wellem-Platz, da die Eingänge im Norden und Nord-Westen in Richtung Hofgarten gelegen sind?
Welche zusätzliche Qualität bringt eine schräge Grünfläche in unmittelbarer Nähe des Hofgartens? (Die Ideengeberin in New York ist eine Grünfläche inmitten hochverdichteter Viertel, hier liegt die Fläche am Rande eines großen Parks.)

Windtechnische Untersuchung
Aus dem Publikum heraus gab es bereits kritische Anmerkungen bezüglich der gegebenen Aufenthaltsqualitäten aufgrund der bereits heute bestehenden Fallwinde am Dreischeibenhaus. Deshalb sollten drei Entwürfe anhand einer Windsimulation fachmännisch vorab bewertet werden.

Zum neuen Baufeld 1-3
Welche Nutzungen sind entlang der West und Nordseite hinter der mit Hainbuchen begrünten Fassade geplant?
Wie sieht die Fassade in den jeweiligen Jahreszeiten aus?
Ist die Belichtung der dahinterliegenden Räume ausreichend?

Das Verfahren muss dringend vom Kopf auf die Füße gestellt werden. Nicht glänzende Bilder und politische Schnellschüsse sollten die Gestaltung der Innenstadt bestimmen sondern städtebaulich gute Lösungen!

Mit freundlichen Grüßen

Astrid Wiesendorf        Traudl Blumenroth        Norbert Czerwinski