Antrag zu: Bio-Landwirtschaft in und für Düsseldorf
03. Mai 2012

Ratsfrau
Iris Bellstedt
Vorsitzende des Ausschusses für Umweltschutz

Sehr geehrte Frau Bellstedt,

die Fraktion von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN bittet Sie, folgenden Antrag auf die Tagesordnung der Sitzung am 03.05.2012 zu nehmen und zur Abstimmung zu bringen:

1. Die Stadt Düsseldorf beabsichtigt, ihre ca. 1100 Hektar landwirtschaftlichen Flächen nach Möglichkeit zu Bio-Landwirtschaftsflächen bzw. naturnahen und biologischen Bewirtschaftungsformen umzugestalten. Hierzu sollen bei zukünftigen Pachtvertragsverlängerungen und Neuverpachtungen von städtischen Landwirtschaftsflächen vertragliche Regelungen vereinbart und auf beratende Angebote hingewiesen werden.

2. Bei den nicht-städtischen landwirtschaftlichen Flächen strebt die Stadt Düsseldorf insbesondere bei den an Wasserschutzzonen gelegen Flächen an, beratenden Einfluss zu nehmen, um den Schadstoffeintrag in das Düsseldorfer Grundwasser und die Trinkwassereinzugsgebiete zu minimieren.

Sachdarstellung:
zu 1) Produkte aus ökologischer und naturnaher Landwirtschaft werden auch in Düsseldorf zunehmend nachgefragt. Der Absatz biologischer Produkte weist in den meisten Jahren zweistellige Zuwachsraten auf. Um den Umwelt- und Naturschutz zu verbessern und gleichzeitig durch die Vermeidung unnötiger Transporte einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten, ist ein regionaler und ökologischer Anbau ausdrücklich auf den städtisch beeinflussbaren Landwirtschaftsflächen anzustreben.

Neben anderen Fördermitteln ist seitens des Landes NRW ab dem Förderjahrgang 2011/2012 für die ersten beiden Jahre der Umstellung von konventioneller Bewirtschaftung hin zu ökologischen und naturnahen Anbauformen eine gezielte Förderung verfügbar. So wurde aktuell die Förderung für beispielsweise biologischen Gemüseanbau von vormals 900.- auf 1200.- Euro pro Hektar Gemüseanbaufläche angehoben. Für Dauerkulturen steigerte sich die Förderung von 1404.- auf 1800.- Euro pro Hektar und auch für die Ackerflächen wurden die Beträge erhöht.

Zu 2)  Der konventionelle Anbau zieht vergleichsweise starke Boden- und Grundwasserbelastungen nach sich. Um den Schadstoffeintrag durch die Verwendung von künstlichen Düngern, Pestiziden, Herbiziden und Insektiziden, aber auch von überhöhten Hormon- und Antibiotikagaben in der Tierzucht einzugrenzen, ist eine Umstellung auf die biologische und naturnahe Landwirtschaft von Vorteil. Auch das Risikopotential durch den Anbau genetisch veränderter Pflanzen mit bisher nur unzureichend erforschten Langzeitfolgen kann durch die Bio-Landwirtschat vermieden werden.

In der konventionellen Landwirtschaft führt der hohe Eintrag von Nitraten durch chemische Reaktionen (Reduzierung zu Nitrit plus Amine ergeben eine krebserregende Nitrosamin-Verbindung) zu Gefährdungen.

Das Düsseldorfer Trinkwasser hat laut aktueller Web-Auskunft bei den Stadtwerken einen Nitrat-Wert von 15 mg/l belastet. Der Grenzwert für Erwachsene liegt zwar bei 50 mg/l, dennoch soll ein weitergehender Schutz der Gesundheit angestrebt werden. Ein Wert über 10 mg/l ist laut Umweltbundesamt in der Regel auf die landwirtschaftliche Nutzung zurückzuführen.

Gerade durch die Umstellung von Landwirtschaftsflächen, die unmittelbar an Wasserschutzzonen und Grundwassereinzugsgebiete angrenzen, kann ein weitergehender Schutz für Umwelt, Klima und Gesundheitsbelange durchgeführt werden. Beispielsweise haben die Städte  München und Paris einen „biologischen Schutzring“ um Grund- und Trinkwassereinzugsgebiete konsequent erweitert und gefördert.

Mit freundlichen Grüßen

Christoph Gormanns                    Martin Lemke