Antrag mit SPD, FDP zu: Dachbegrünung - Anpassung der Musterfestsetzung im ämterübergreifenden Katalog
27. Okt 2016

An
Philipp Tacer
Vorsitzender des Ausschusses für Umweltschutz

Sehr geehrter Herr Tacer,

im Namen der Ratsfraktionen von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, SPD und FDP bitten wir Sie, folgenden Antrag auf die Tagesordnung der Sitzung am 27. Oktober 2016 zu nehmen und zur Abstimmung zu bringen:

Der Ausschuss für Umweltschutz der Landeshauptstadt Düsseldorf bittet die Verwaltung, den ämterübergreifenden Katalog der Musterfestsetzung dahingehend zu überarbeiten, als dass für Begrünungsmaßnahmen von Dachflächen und unterbauten Flächen bei Bebauungs-Plänen folgende Substratschichtdicken als Standard vorzusehen sind und diese frühzeitig bei den Planungen zu berücksichtigen. Abweichungen sind zu begründen.

Folgende Substratschichtdicken für Dachbegrünung sind vorzusehen
· Extensive Dachbegrünung: mindestens 12 cm zzgl. Dränschicht (die Dränschicht oder Drainageschicht dient der zuverlässigen Ableitung von Überschusswasser in die Dachabläufe, um vor Vernässung zu schützen)
· Intensive Dachbegrünung: mindestens 40 cm zzgl. Dränschicht
· Bei Baumbepflanzungen auf Tiefgaragendächern / unterbauten Flächen: mindestens 130 cm zzgl. Dränschicht, und 50 m³ durchwurzelbares Substrat.

Sachdarstellung
Der weltweite Temperaturanstieg macht sich in Großstädten besonders bemerkbar. Eine Abkühlung der Stadt kann durch Grünflächen erzeugt werden. Als wachsende Großstadt mit zunehmender Flächenversiegelung und der Bildung von Hitzeinseln besonders im Innenstadtbereich benötigt Düsseldorf den aktiven Schutz eines verträglichen örtlichen Kleinklimas und ggf. dessen Verbesserung.

Dies gilt für das Düsseldorfer Stadtgebiet allgemein und in den sogenannten Lasträumen im Besonderen (siehe Planungshinweiskarte). Das bereits vorliegende Gründachpotentialkataster der Stadt Düsseldorf gibt konkrete Hinweise und wird in dem Projekt „Stadtklima im Wandel“ (NABU) als Best Practice-Beispiel aufgeführt (Gründachpotentialkataster).

Den negativen Auswirkungen von Flächenversiegelung kann durch eine entsprechende Begrünung von Dächern entgegengewirkt und der Verlust etwaiger Grünflächen soweit wie möglich reduziert werden. Gebäude mit Flachdach und leicht geneigter Dachfläche bieten eine ideale Voraussetzung für großflächige Dachbegrünungen. Insbesondere in Wohnbereichen mit schlechten bioklimatischen und lufthygienischen Bedingungen und fehlendem Platz für die Anlage von Grünflächen können Dachbegrünungen eine Alternative darstellen und einen Beitrag zur Verbesserung der klimatischen Situation leisten.

Bepflanzte Dachflächen sind „Alleskönner“:

- Als Isolationsschicht verringern sie die Erwärmung von Gebäudeflächen und deren Umgebung in den Sommermonaten und deren Abkühlung im Winter. Durch die wärme-isolierende Wirkung einer Substratschicht werden Heiz-und Kühlkosten eingespart. Dabei herrscht kein Nutzungskonflikt zwischen Solaranlagen und Gründächern, diese können kombiniert werden.

- Die Wasserspeicherkapazität von begrünten Dachflächen bietet einen doppelten Effekt: Kühlung durch Verdunstung des gespeicherten Wassers, Erhöhung der Luftfeuchtigkeit und ab einer nennenswerten Schichtdicke zusätzliche Entlastung von Kanalisation, Kläranlage und Vorflutern bei Starkregenereignissen.

- Ein weiterer Effekt einer Dachbegrünung liegt in deren Filterwirkung. Stäube und Schadstoffe werden gebunden; durch Luft oder Niederschläge herangetragene Nährstoffe aufgenommen und verarbeitet.

Gerade bei höheren Gebäuden spricht ein zusätzlicher Aspekt für die Bepflanzung von Flachdächern mit nennenswerter Schichtdicke: Vermehrt auftretende Extremwetterereignisse mit Orkanböen erhöhen die Anforderungen an die Lagesicherung von Dachauflagen bzw. des kompletten Dachaufbaus (DIN 1055-4). Wichtiger Aspekt hierbei ist die so genannte Windsogsicherung, die das Abheben von Abdichtungsplanen verhindern muss.

Das Eigengewicht von Dachbegrünungen und deren Drainageschichten kann hier hervorragend für eine "Windsogsicherung durch Auflast" eingesetzt werden.

Auch Tiefgaragendächer und andere unterbaute Flächen – deren Bau nicht selten die Fällung von Bäumen mit sich bringt – eignen sich zur Bepflanzung. Allerdings benötigen die hier ggf. als Ausgleichsmaßnahme vorgesehenen Baumpflanzungen eine entsprechende Dicke des durchwurzelbaren Substrats, wenn die Bäume eine den Gefällten entsprechende Höhe und Kronenbreite erreichen und positive Auswirkungen auf das Stadtklima entfalten sollen.

Durch begrünte (Dach-)Flächen entsteht wieder neuer Lebensraum für Pflanzen und Tiere in der Stadt, der auf versiegelten Flächen nicht mehr gefunden werden kann. Begrünte Dachflächen tragen wirksam zur Erhöhung Artenvielfalt in städtischen Räumen bei.

Mit einer Aufwertung des Stadtbildes und durch das Entstehen einer grüneren Aussicht, wird die Lebensqualität der Düsseldorfer*innen insgesamt gesteigert: Ist eine Dachbegrünung sogar begehbar gestaltet, kann auf der Dachterrasse eine zusätzliche Freifläche zur Erholung und / oder sogar ein eigener Garten entstehen (Roof Gardening).

Um die fachliche Berücksichtigung der oben genannten Substratschichtdicken zu erleichtern sollen die standardisierten Werte für zukünftige Projekte frühzeitig in den Planungsverlauf eingehen und bereits im Vorfeld der politischen Entscheidungen festgelegt werden.

Mit freundlichen Grüßen

Iris Bellstedt            Ursula Holtmann-Schnieder             Cord Schulz