Anfrage zu: Sichere Geothermie
17. Feb 2011

An
Ratsfrau
Iris Bellstedt
Vorsitzende des Ausschusses für Umweltschutz

Sehr geehrte Frau Bellstedt,

die Fraktion von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN bittet Sie, folgende Anfrage auf die Tagesordnung der Sitzung am 17. Februar 2011 zu nehmen:

1. Sind der Stadtverwaltung negative Auswirkungen von geothermischen Anlagen auf den Boden oder das Grundwasser bekannt?

2. Werden bei der Errichtung von geothermischen Anlagen innerhalb der Wasser-schutzzonen von Düsseldorf die Grundsätze des DVGW-Papiers „Erdwärmenutzung in Trinkwassereinzugsgebieten“(Stand: Juni 2010) berücksichtigt?

3. Hat die Stadtverwaltung Kenntnis darüber, dass geothermische Anlagen ohne Genehmigung errichtet bzw. betrieben worden sind?

Sachdarstellung:
Die Nutzung der in Grundwasser und Boden enthaltenen Erdwärme – Geothermie – gewinnt als regenerative Energiequelle zunehmend an Bedeutung.

Düsseldorf zeichnet sich durch ein gutes geothermisches Potenzial aus. Erdwärme kann im Stadtgebiet fast flächendeckend und oberflächennah genutzt werden. Seit 2000 hat die Stadt Düsseldorf 290 geothermische Anlagen genehmigt (Stand: August 2009), wobei die Zahl der jährlichen Genehmigungen in den letzten Jahren deutlich zugenommen hat. Viele dieser Anlagen befinden sich innerhalb der Wasserschutzzone. Das ist der Tatsache geschuldet, dass ein hoher Anteil der Düsseldorfer Stadtfläche als Trinkwassereinzugsgebiet dient und daher rund 35% des Stadtgebiets als Wasserschutzzone ausgewiesen wurden.

Oberflächennahe Geothermie, wie sie in Düsseldorf eingesetzt wird,  kann jedoch auch negative Auswirkungen auf den Boden (z. B. Setzungen, Hebungen) und das Grundwasser (z. B. Zerstörung von schützenden Deckschichten, Schadstoffeinträge) zur Folge haben. Die Einhaltung der geltenden Rechtsvorschriften (vor allem Wasserhaushaltsgesetz, Landeswassergesetz NRW) und die Beachtung des technischen Regelwerks (insbesondere DVGW-Regelwerk, VDI-Richtlinie 4640, Merkblatt Band 48 LUA NRW) sind daher Grundvoraussetzungen für die Errichtung und den Betrieb von geothermischen Anlagen und werden von städtischer Seite eingefordert.

Im Bereich von Trinkwassereinzugsgebieten sind allerdings besondere Vorsichtsmaßnahmen beim Einsatz von Geothermie erforderlich. Der DVGW (Deutscher Verein des Gas- und Wasser-faches e.V) , der als technischwissenschaftliche Verein die technischen Standards für eine sichere Wasserversorgung setzt,  hat aus diesem Grund über sein technisches Regelwerk hinaus ein aktuelles Positionspapier zur „Erdwärmenutzung in Trinkwassereinzugsgebieten“ (Juni 2010) verabschiedet. Es enthält 12 Grundsätze für die Errichtung von geothermischen Anlagen in Trinkwassereinzugsgebieten. Diese Grundsätze dienen dazu, eine Gefährdung von Grundwasser, das zur Trinkwassernutzung verwendet wird, zu vermeiden.

Darüber hinaus besteht ein weiteres Risiko darin, dass nach Schätzungen der Bundesländer bis zu 50 % der Anlagen nicht gemeldet und somit illegal errichtet und betrieben werden. Dadurch ist eine Bauüberwachung und weitere Kontrolle dieser Anlagen nicht möglich.

Um den sinnvollen Einsatz von Geothermie weiterhin zu unterstützen und gleichzeitig insbesondere den Risiken für das Grundwasser zu begegnen, sollten alle zur Verfügung stehenden Möglichkeiten genutzt werden.

www.dvgw.de/fileadmin/dvgw/wasser/ressourcen/pp_erdwaermenutzung1006.pdf


Mit freundlichen Grüßen

Elke Cardeneo             Christoph Gormanns

Antworten der Verwaltung