Anfrage zu: Potenziale der migrantischen Ökonomie für den Wirtschaftsstandort Düsseldorf stärker nutzen
25. Okt 2016

An Monika Lehmhaus
Vorsitzende des Ausschusses
für Wirtschaftsförderung, Tourismus und Liegenschaften

Sehr geehrte Frau Lehmhaus,

die Ratsfraktion von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN bittet Sie, folgende Anfrage auf die Tagesordnung der Sitzung am 25. Oktober 2016 zu nehmen und durch die Verwaltung beantworten zu lassen:

1. Welche Zahlen liegen der Verwaltung über die Entwicklung von Unternehmen von Migrantinnen und Migranten in Düsseldorf vor? In diesem Fall ist eine Aufschlüsselung der Selbstständigen, Neuanmeldungen, Verteilung nach Branchen, Schwerpunktländer sowie die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnisse von besonderem Interesse.

2. Welche Angebote (Informations-, Beratungs-, & Vernetzungsangebote) gibt es seitens der Stadt und der kommunalen Wirtschaftsförderung für Gründer *innen mit Migrationshintergrund und wie viele Personen konnten bisher daran teilnehmen und nehmen gegenwärtig teil – und in welchen Sprachen werden diese Angebote mit welchen Kommunikationsmitteln beworben?

3. Welche weiteren internationalen nicht städtische Unterstützungsangebote (bspw. von der IHK) und/oder Netzwerke sind der Stadt bekannt, um gründungswilligen Menschen mit Migrationshintergrund den Weg in die Selbstständigkeit zu erleichtern?

Sachdarstellung
China-Restaurants, Gemüseläden, die Büdchen nebenan, in denen immer die ganze Familie aushilft – wenn es um Unternehmer*innen mit Migrationshintergrund geht, sind schnell Klischees im Kopf. Doch eine neue Studie zeigt: Unternehmen von Migrant*innen schaffen auch außerhalb vom Niedriglohnsektor zahlreiche Jobs – auch bei Start-Ups. Es gibt jedoch große Unterschiede zwischen den Bundesländern.

Nach der neuen Studie der Bertelsmann-Stiftung zusammen mit Prognose „Migrantenunternehmen in Deutschland zwischen 2005 und 2014“ entwickelt sich in Nordrhein-Westfalen die migrantische Ökonomie überproportional gegenüber dem bundesdeutschen Kontext. Derzeit sind es 158.000 Selbstständige mit Migrationshintergrund, denen die Schaffung von 300.000 Arbeitsplätzen* zu verdanken ist.

Die Gründungsbereitschaft unter Migrant*innen erweist sich damit als höher gegenüber dem Rest der Bevölkerung. Unbestritten ist also, dass es ein großes Potential in Sachen Wirtschaftswachstum zu erschließen gilt und man gleichermaßen einen positiven Effekt für die Integration dieser Menschen erwarten darf.

Hier steht ganz besonders die Stadt in der Pflicht, die mit einem vergleichsweise moderaten Aufwand zur Förderung gründungswilliger Personen einen wichtigen Beitrag leisten kann.

Denn: Migrantinnen und Migranten sind oftmals von Beratungs-und Förderangeboten in der Hinsicht abgeschnitten, als dass sie nicht über diese in Kenntnis gesetzt werden und an dieser Stelle Vermittlungsbedarf besteht. Weiterhin gibt es teils zu wenige dieser Angebote oder andere Barrieren − nicht zuletzt sprachliche − die diesen Gründungs-Vorhaben im Weg stehen und durch eine gezielte Optimierung vermeidbar wären.

Um für den Wirtschaftsstandort Düsseldorf eine geeignete Strategie mit effektiven Maßnahmen zu entwickeln, müssen uns Informationen zu der hiesigen migrantischen Ökonomie vorliegen und der Bestand, wie auch die Reichweite der bestehenden Beratungs-und Förderangebote, offengelegt werden.

Die Landtagsfraktionen von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und SPD haben hierzu bereits einen Antrag (in Anhörung) im Landtag NRW gestellt, der die kulturelle Vielfalt in der Wirtschaft stärken soll. Empfohlen werden neben einer stärkeren Vernetzung u. a. zusätzliche Angebote sowie statistische wie wissenschaftliche Betrachtung. Weiterhin verweisen wir auch auf das gesamtstädtische Integrationskonzept der Stadt Düsseldorf, dessen Neufassung noch in diesem Jahr in die zuständigen Gremien eingebracht werden wird.

Wir bitten darum, die Antwort der Verwaltung zudem dem Integrationsrat zur Kenntnis geben.

Weitere Begründung erfolgt ggf. mündlich.

Mit freundlichen Grüßen

Iris Bellstedt                     Jörk Cardeneo                           Dietmar Wolf

Antworten der Verwaltung