Anfrage zu: Wirtschaftsförderung für die Kultur- und Kreativwirtschaft
09. Sep 2010

An
Klaus Mauersberger
Vorsitzender des Ausschusses für Wirtschaftsförderung, Tourismus und Liegenschaften

Sehr geehrter Herr Mauersberger,

die Fraktion von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN bittet Sie, folgende Anfrage auf die Tagesordnung der Sitzung am 9. September 2010 zu nehmen und durch die Verwaltung beantworten zu lassen:

1. Welche Angebote der Wirtschaftsförderung sind für Akteure der Kultur- und Kreativwirtschaft geeignet, werden bislang aus diesem Akteursfeld nachgefragt und wie zielgruppengerichtet wird das entsprechende Angebot kommuniziert?

2. Welchen Gedankenaustausch gibt es mit der Stadtsparkasse Düsseldorf bezüglich einer für die Kultur- und Kreativwirtschaft angepassten Finanzierungskonzepte – beispielsweise Mikrokredite – und Bewertungsmaßstäbe für diese spezifischen Geschäftsmodelle?

3. Welche Möglichkeiten sieht die Verwaltung ihre Angebote für Akteure der Kultur- und Kreativwirtschaft zu spezifizieren beziehungsweise weiter zu entwickeln – auch in Richtung einer Vernetzung mit Akteuren an Hochschulen und in der Region – und entsprechend zielgerichtet zu kommunizieren?

Sachdarstellung:
Der vor der Sommerpause vorgestellte Bericht zur Kulturwirtschaft in Düsseldorf kommt in den Handlungsempfehlungen der beiden Detailuntersuchungen zur Bildenden Kunst und zum Werbemarkt zu ähnlich formulierten Schlussfolgerungen: „Düsseldorf sollte für die Zukunft verstärkt darauf achten, leistungsfähiges Personal für kreativwirtschaftliche Branchen in die Stadt zu ziehen. Dazu sind alle Maßnahmen sinnvoll, die die Wahrnehmung der Stadt mit all ihren Stärken und Möglichkeiten verbessern und die die Stadt als Standort für Kreative noch attraktiver machen.“ (S. 95)

Hierzu gehören sicherlich auch das umfangreiche Angebot der Wirtschaftsförderung und seine entsprechende Vermittlung. Der Forschungsbericht des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie „Gesamtwirtschaftliche Perspektiven der Kultur- und Kreativwirtschaft in Deutschland“ gibt unter anderem folgende strategischen Handlungsempfehlungen:

- „Öffnung bestehender Förderprogramme für innovative Unternehmen aus der Kultur- und Kreativwirtschaft.
- Aufbau eines Expertennetzwerks als Beratung die Akteure der Kultur- und Kreativwirtschaft.
- Definierter Innovationsbegriff für die Kultur- und Kreativwirtschaft.
- Aufbau einer bundesweiten Branchenplattform der Kultur- und Kreativwirtschaft.
- Entwicklung von Bewertungsmaßstäben für Banken und Wirtschaftsförderer.
- Weiterentwicklung von Programmen mit kleinteiligen Förderbeiträgen“.

Selbstverständlich sind die für das Bundesministerium geschriebenen Handlungsempfehlungen nicht ohne Weiteres für die kommunale Ebene anwendbar. Aber in dem Bericht wird deutlich: Die Bedürfnisse der Akteure der Kultur- und Kreativwirtschaft müssen verstanden werden. Die Missverständnisse beginnen damit, dass die Geschäftsmodelle der Kultur- und Kreativwirtschaft häufig nicht nachvollzogen, die dort geleisteten Innovationen nicht anerkannt werden und hören noch nicht damit auf, dass oftmals der Finanzbedarf der Akteure aus der Kultur- und Kreativwirtschaft viel zu gering für die gängigen hausbankvermittelten Kredit- und Förderangebote sind.

Die Unternehmensstruktur in der Kultur- und Kreativwirtschaft sind in der Regel viel kleinteiliger als in den meisten anderen Unternehmensbranchen. Ihre Akteure verstehen sich weniger als Wirtschaftsunternehmer sondern viel eher als Kulturschaffende - mit besonderen individuellen Arbeits- und Lebensweisen. Diese Existenz- und Rahmenbedingung kultur- und kreativwirtschaftlichen Arbeitens gilt es anzuerkennen.

Eine Offenheit für diese Produktionsbedingungen der Kultur auch im Rahmen der bestehen-den und weiterentwickelten Wirtschaftsförderungsangebote, die Etablierung von (Beratungs-)Netzwerken – in der Region und mit Hochschulen – und die zielgerichtete Kommunikation wären wichtige Schritte für die Wahrnehmung Düsseldorfs als Standort für Kreative.

Mit freundlichen Grüßen

Iris Bellstedt        Susanne Ott        Jörk Cardeneo

Antworten der Verwaltung