Antrag zu: Tourismus in Düsseldorf
09. Sep 2010

An Ratsherrn
Klaus Mauersberger
Vorsitzender des Ausschusses
für Wirtschaftsförderung, Tourismus und Liegenschaften

Sehr geehrter Herr Mauersberger,

die Fraktion von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN bittet Sie, folgenden Antrag auf die Tagesordnung der Sitzung am 09. September 2010 zu nehmen und zur Abstimmung zu bringen:

Der Ausschuss für Wirtschaftsförderung, Tourismus und Liegenschaften bittet die Verwaltung bzw. die DMT um eine Fortschreibung des Berichtes „Tourismus in Düsseldorf“ aus dem Jahre 2003. Sie soll bis zum Frühjahr nächsten Jahres vorliegen.

Der Bericht soll einen Über- und Ausblick über die Entwicklung, Umfang und Struktur des Tourismus und des Beherbergungsgewerbes in Düsseldorf geben. Soweit wie möglich sollen auch hier Angaben zur Struktur der Tourist/-inn/-en hinsichtlich Lebenszyklus und Tourismusarten gemacht werden.

Des Weiteren sollen dem Bericht strategische Überlegungen zur künftigen Entwicklung des Tourismus in Düsseldorf zur Beratung und Beschlussfassung beigefügt werden. Hier soll benannt werden

- für welche Zielgruppen, welche Tourismusarten für die Stadt sinnvoll gestärkt beziehungsweise entwickelt werden sollten,
- welches qualitative wie quantitative Angebot hierfür wünschenswert wäre,
- welche Qualitätssiegel die in Düsseldorf angebotene Qualität gut dokumentieren würden,
- welche regionale oder landesweite Vernetzung sinnvoll und
- wie die touristische Vermarktung Düsseldorfs mit den Klimaschutzzielen der Landes-hauptstadt in Einklang gebracht werden kann beispielsweise durch Bahnreiseangebote oder Aktiv-Stadttourismusangebote mit dem Rad.

Sachdarstellung:
Laut Presseberichten verfügt Düsseldorf wohl über 215 Beherbergungsbetriebe mit über 22.000 Betten mit deutschlandweit einer der höchsten Übernachtungspreisen. Dies ist gegenüber dem Jahr 2002 nur eine geringfügige Steigerung der Anzahl der Betriebe (+ 10), aber eine deutliche Steigerung der Betten (+ 6.000).

Die Anbieterstruktur des Düsseldorfer Beherbergungsgewerbes hat sich in den letzten Jahren deutlich geändert. Insbesondere haben sich Hotelketten mit vielen Betten in Düsseldorf niedergelassen. Dies hat in der Branche zu vernehmbarer Unruhe geführt und im Jahr 2006 zur Einführung eines IHK-Branchenbarometers geführt. Auch die eine oder andere Geschäftsaufgabe und Preissenkung dürfte durch den Wandel verursacht sein. Im Fokus der Diskussion steht die Bettenauslastung der Düsseldorfer Betriebe. Sie liegt wohl bei knapp über 40,0 % (Zimmerauslastung ca. 60 %). Im Jahr 2006 sah die DMT die Bettenauslastung deutlich über dem Landesdurchschnitt von ca. 35 %.

In diesem Zusammenhang dürfen die Konflikte über die sehr hohen Hotelpreise und Buchungskonditionen zu Messezeiten nicht vergessen werden. Diese waren nicht gut für das Image des Düsseldorfer Beherbergungsgewerbe und haben letztlich zu dem Label „FairFairs Hotels“ des nordrhein-westfälischen Landesverbandes der DEHOGA geführt. Ein Qualitätssiegel welches mittlerweile Wirkung zeigt.

Die Industrie- und Handelskammer zu Düsseldorf hat nun ein Strategiepapier zum Hotelmarkt im Kammerbezirk vorgelegt. Darin schlägt sie Maßnahmen zur Steigerung der Tourist/-inn/-enanzahl im Kammerbezirk vor. Gehobenes Entertainment, verstetigte Vermarktung der Kunst- und Kulturszene, ein Spielcasino, internationale Vermarktung der Rheinkirmes, Präsentation der Stadt als ShoppingCity, Nutzung der Gesundheitstourismuspotenziale und mehr Kongresse sollen die Anzahl der Übernachtungen steigern. Diesem Diskussionsbeitrag muss sich die Stadt konstruktiv stellen.

Einige dieser Maßnahmen sich sicherlich geeignet, mehr Touristen für Düsseldorf zu gewinnen. Zweifelhaft ist sicherlich, ob Düsseldorf die Glücksspielsucht fördern sollte oder ob der sehr termingebundene Messestandort mit seiner weit in die Region ausstrahlende Übernachtungsnachfrage verträglich für ein Musical ist, dessen Besuchende oftmals langfristig buchen wollen. Diese Maßnahmen ersetzen aber keine Strategie, wie die Stadt Düsseldorf mit der Wirtschaftsförderung und der DMT auf die sich verändernde Tourismusnachfrage reagieren sollte.

In diesem Zusammenhang ist es sehr wünschenswert, wenn aussagekräftige Daten über das Alter und den Reisezweck der Besucherinnen und Besucher in den Beherbergungsbetrieben vorliegen würden.

Im Rahmen des Masterplans Tourismus NRW wird diskutiert die unterschiedlichen Reiseziele in Nordrhein-Westfalen unter einer Dachmarke zu vermarkten. Die IHK zu Düsseldorf bezieht Position für eine Metropolregion Rheinland. Dies sollte in der Stadt hinsichtlich des zu erwartenden Nutzens erörtert werden.

Welche Entwicklungen sind im Gesundheits-, Sport-, Städte- und Kulturtourismus zu erwarten und welche Angebote will Düsseldorf in welcher Kombination anbieten? Und, was ist neben dem starken Messe- und Businesstourismus in Düsseldorf möglich? Die Debatte um den Kulturwirtschaftsbericht – Düsseldorf stärker als kreative Stadt zu positionieren – wie die stärkere Nachfrage nach Aktivurlauben – Stichwort Fahrradtourismus – sollten hierbei beachtet werden. Klimaneutrale Bahnangebote wären durchaus geeignet, die Aufmerksamkeit auf Düsseldorfs Ziel der Klimaneutralität im Jahr 2050 zu lenken.

Mit freundlichen Grüßen

Iris Bellstedt        Susanne Ott        Jörk Cardeneo