Änderungsantrag zu: Gesundes Aufwachsen von Kindern
13. Jul 2010

An die Ausschussvorsitzende
Frau Walburga Benninghaus und
die Ausschussvorsitzenden
Herrn Wolfgang Janetzki
Herrn Wolfgang Scheffler

Sehr geehrte Frau Benninghaus,
sehr geehrter Herr Janetzki,
sehr geehrter Herr Scheffler,

die 2. Integrierte Jugendhilfe- und Schulentwicklungsplanung mit dem Schwerpunkt „Gesundes Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen“ analysiert die bestehenden Kooperationsstrukturen von Jugendhilfe, Schule und Gesundheit und zeigt die Möglichkeiten zu einer weitergehenden Abstimmung in diesen Bereichen auf.

Der Titel „Gesundes Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen“ hat aber große Erwartungen in der Hinsicht geweckt, dass die Planung auch Grundlagen zur zukunftsweisenden Gesundheitserziehung in unserer Stadt bietet, andernorts bereits erfolgreiche Ansätze der Gesundheitsförderung bei Kindern und Jugendlichen aufzeigt und für Düsseldorf weiterentwickelt. Dies wird mit der Verwaltungsvorlage nicht eingelöst.

Aus diesem Grunde bittet die Fraktion von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Sie, folgenden Änderungsantrag auf die Tagesordnung der Sitzung am 13. Juli 2010 zu nehmen und zur Abstimmung zu bringen:

1. Die Verwaltung wird beauftragt, bis zum Frühjahr 2011, spätestens aber mit der Fortschreibung der Integrierten Jugendhilfe- und Schulentwicklungsplanung, mindestens zwei weitere Projekte zur Gesundheitsförderung von Kindern und Jugendlichen zu planen. Diese Projekte sollen den sogenannten Lebenswelt- oder Settingansatz berücksichtigen („Moderne Prävention findet dort statt, wo Menschen leben, arbeiten, lernen und spielen …“ siehe  S. 165). Einzubeziehen ist auch die Tatsache, dass soziale Benachteiligung negativen Einfluss auf einen gesunden Lebensstil und die Gesundheitsprävention hat.

2. Die Verwaltung entwickelt

a) ein Konzept zur flächendeckenden Qualitätsverbesserung der Verpfle-gung und zur Qualifizierung des pädagogischen Personals in Kindertagesstätten (Kitas) und Ganztagsschulen. Dabei wird angestrebt, den Anteil an Biolebensmitteln zu erhöhen und den an gesundheitsschädlichen Speisen / Süßigkeiten und Süßgetränken zu verringern. Ferner werden noch größere Anstrengungen unternommen, um Lebensmittelkunde und praktische Nahrungszubereitung stärker in die pädagogische Arbeit zu integrieren.

b) ein Konzept zur Verbesserung der körperlich- sportlichen Aktivität und der motorischen Leistungsfähigkeit unter Einbeziehung allgemeiner bewegungsfördernder Rahmenbedingungen in der Lebensumwelt und zielgruppenspezifischer Ansprache.

Sachdarstellung
Zu 1) Die vorliegende Planung wird ihrem Schwerpunktthema „Gesundes Aufwachsen …“ insofern nicht gerecht, als sie sich im Großen und Ganzen auf eine Beschreibung von Problemen, Kooperationsstrukturen und Projekten beschränkt und lediglich 4 „neue“ – eher weniger innovative - Projekte benennt (S. 197). Es fehlen Ziele und Perspektiven, wie sie beispielsweise im Bericht bei den Themen Kita und Schule durchaus enthalten sind.

Angesichts der Bedeutung der Gesundheit von Kindern und Jugendlichen und im Hinblick auf dazu landes-, bundes- und europaweit durchgeführte Studien und erprobte Modelle und Projekte zu diesem Thema muss eine Planung mit diesem Schwerpunkt konkretere und innovativere Ansätze zur Gesundheitsförderung und Prävention enthalten.

Auf S. 11 und S. 161/162 des Gesamtbandes wird beispielsweise neben der Bildung eine sozial gerechte und gesunde Lebenswelt (soziale Unterstützung, schadstoffarme Umwelt, ausreichender Wohnraum, bedarfsgerechte Lern- und Arbeitsbedingungen) als Voraussetzung für die gesunde Entwicklung von Kindern und Jugendlichen angesprochen. Wörtlich heißt es zudem auf S. 11 „Die Chancen auf eine gesunde Entwicklung hängen demnach sehr stark mit den sozialen und ökonomischen Ressourcen zusammen.“ Es ist auch davon die Rede, dass Strategien der Gesundheitsförderung und Prävention die Verringerung sozial bedingter Ungleichheiten der Gesundheits- und Versorgungschancen anstreben müssten. Diese Erkenntnisse finden sich aber weder in Zielbeschreibungen noch in den derzeitigen und neuen Projekten der Integrierten Jugendhilfe- und Schulentwicklungsplanung.

Der sogenannte Settingansatz wird zwar beschrieben (S. 165), in konkreten Planungen aber nicht konsequent aufgegriffen. Mit dem Settingansatz sollen integrierte gesundheitsfördernde Handlungskonzepte in den relevanten Lebenswelten von Kindern und Jugendlichen und deren Eltern besser verankert und das konzertierte Zusammenwirken unterschiedlicher Anbieter ermöglicht werden.

Denn die Gesundheitspotenziale und Ressourcen von Kindern und Jugendlichen können am besten in ihren Lebenswelten gestärkt bzw. die Risiken dort abgebaut werden. Relevante settings sind neben Kitas und Schulen auch Familien und das wohnortnahe Umfeld. Beispielsweise auch durch familienaufsuchende Programme zu gesunder Ernährung, Bewegungsfreude, Alltagsgestaltung und Lebenskompetenz, psychosoziale Beratung. Beispielhafte Projekte und Maßnahmen finden sich in zahlreichen Dokumentationen, hervorzuheben ist hier die STRATEGIE ZUR FÖRDERUNG DER KINDERGESUNDHEIT der Bundesregierung „Nationales Gesundheitsziel – gesund aufwachsen: Lebenskompetenz, Bewegung, Ernährung“ vom Mai 2008.

Ein denkbarer Ansatz für ein konkretes Düsseldorfer Projekt: Niedrigschwellige – teilweise auch aufsuchende und vor allem kultursensible Hilfen für Familien in einem Stadtteil mit einem besonders großen Anteil an Migrationsbevölkerung.  Denn gerade Kinder mit Migrationshintergrund – darauf wird auch im Bericht hingewiesen - sind stärker von bestimmten gesundheitlichen Problemen/Risiken betroffen. Es ist auch bekannt, dass der Zugang zu den Angeboten, sowohl in der Krankheitsbehandlung als auch bei Gesundheitsförderung und -prävention sich für einen großen Teil der Migrationsbevölkerung als schwierig erweist.

Zu 2 a) Gemeinsame und gesunde Mahlzeiten mit hohem Rohkostanteil (früh, mittags, nachmittags) müssen für alle Kinder regelmäßiger Bestandteil des Alltags in Kita und Ganztagsschule sein. In Düsseldorf sind die dafür notwendigen Voraussetzungen (organisatorisch, baulich, personell) optimierbar. Eine Konsequenz daraus ist eines der vier neuen Projekte der Kinder- und Jugendhilfeplanung, nämlich Zertifizierung der Küchenkräfte in städtischen Kitas. Wichtig ist es darüber hinaus, das päd. Pesonal insgesamt zu qualifizieren und auch Fachkräfte ins Team aufzunehmen, beispielsweise ÖkotrophologInnen. Die Verwaltung schreibt auf S. 160, dass es bei einer Stichprobe von 29 zufällig ausgewählten städtischen Kitas bei den Qualitätsstandards durchaus Verbesserungsbedarf gibt.

Die Qualität des Essens und die mangelnden Räumlichkeiten in der Ganztagsschule und bei den Einrichtungen der Freien Träger sind dabei unberücksichtigt. Dabei sind beispielsweise fehlende Schul- Lernküchen und Mensen im Düsseldorfer Ganztagsschulbetrieb ein bekanntes Problem. Gerade vor dem Hintergrund, dass Düsseldorf erfreulicherweise zunehmend den Ganztag einführt, sind hier Ansätze zu verfolgen, die die Schulen durch Beratung und Unterstützung dabei stärken, individuelle Lösungen zu verwirklichen.

Zu 2 b) Die motorische Leistungsfähigkeit – wie auch in den Schuleingangsuntersuchungen dokumentiert - ist bei vielen Kindern hauptsächlich durch Bewegungsmangel beeinträchtigt. Hinzu kommen Übergewicht und sogar Fettlebigkeit bei Kindern, die sich zu wenig bewegen. Die Bedingungen und Abläufe, wie sie in Kita und später in Schulen vorliegen, wirken zusätzlich negativ. Ebenso die Tatsache, dass als Freizeitbeschäftigung Fernsehschauen und Computernutzung zunehmen. In vielen Teilen unserer Stadt lädt das Wohnumfeld darüber hinaus nicht zu Bewegung, Spiel und Sport ein.

Mit freundlichen Grüßen

Antonia Frey        Jens Petring        Wolfgang Scheffler