Antrag zu: Aufstellung des 1. Düsseldorfer Masterplan Radverkehr 2012 - 2017
22. Jun 2011

An
Ratsherrn
Martin Volkenrath
Vorsitzender des Ordnungs- und Verkehrsausschusses

Sehr geehrter Herr Volkenrath,

die Fraktion von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN bittet Sie, folgenden Antrag auf die Tagesordnung der Sitzung am 22. Juni 2011 zu nehmen und zur Abstimmung zu bringen:

Der Ordnungs- und Verkehrsausschuss (OVA) beschließt für das Gebiet der Landeshauptstadt Düsseldorf die Aufstellung des 1. Düsseldorfer Masterplan Radverkehr 2012 - 2017 und bittet die Verwaltung mit der Erarbeitung eines Entwurfes zur Beratung und Beschlussfassung im OVA und Rat.

Ziele des 1. Düsseldorfer Masterplan Radverkehr 2012 - 2017 sind die systematische Weiterentwicklung der Fahrradfreundlichkeit, die Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger und eine Überprüfung der Wirksamkeit der Maßnahmen. Das Leitbild der Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundlicher Städte soll systematisch und rasch erreicht werden.

Der Konzeptentwurf soll spätestens in der ersten OVA-Sitzung des Frühjahres 2012 in den OVA eingebracht und spätestens Ende des Jahres 2012 verabschiedet werden. Eine Bürger/-innenbeteiligung ist im Erarbeitungsprozess vorzusehen.

Zentrale Inhalte des 1. Düsseldorfer Masterplan Radverkehr 2012 - 2017 sollen neben einer umfassenden Bestandserhebung und einer Darstellung der zeitliche Abfolge der Umsetzungsschritte folgende Aspekte sein:

- Nachfrageorientierte Definition eines mehrstufigen stadtweiten Netzes mit schnell befahrbaren Expressrouten, Hauptrouten und stadtteilorientierten Nebenrouten auf Basis der Bezirksradwegenetze.
- Definition von Qualitäten und Standards der jeweiligen Stufen des Radwegenetzes.
- Feststellung des Bedarfs und der Standards von Fahrradabstellanlagen im öffentlichen und privaten Raum.
- Marketingmaßnahmen – auch mit Kooperationspartner/-inne/-n – die in Kampagnen und auch kontinuierlich die Vorzüge des Fahrradgebrauchs in der fahrradfreundlichen Stadt Düsseldorf deutlich wahrnehmbar betonen und die Fahrradkultur in Düsseldorf stärken.

Die Umsetzung soll in Jahresberichten gegenüber dem OVA dokumentiert werden. Es findet während der Umsetzung ein systematisches Monitoring statt, welches für eine Fortschreibung des Masterplan Radverkehrs genutzt wird.

Sachdarstellung:
Der Rat der Landeshauptstadt Düsseldorf hat im August 2000 ein Ziel- und Handlungskonzept mit Prioritätensetzung für Maßnahmen zur Förderung des Fahrradverkehrs in Düsseldorf beschlossen. Darauf folgte im Dezember 2000 ein Beschluss des Ordnungs- und Verkehrsausschusses zur „Fahrradförderung mit Schließen von Lücken im Radwegenetz, Abstellplätzen, Bike-and-Ride, Wegweisung“. Im Sommer 2001 beantragte der Rat die Mitgliedschaft in der Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundlicher Städte NRW (AGFS). Im Januar 2007 war es dann soweit. Düsseldorf wurde 40. Mitglied der AGFS. Im Juni 2005 fand der 1. Radaktiv-Tag auf der Unteren Rheinwerft statt. Nextbike startete sein Fahrradverleihsystem im Juli 2008. Im September 2009 eröffnete die Fahrradstation am Hauptbahnhof. Mit einer Radwegelänge von 600 km, jeder Menge neu installierter Fahrradbügel, 7 Tour D-Broschüren, mit Fahrradstadtplänen, einem Fahrradwegweisungssystem und einer Mängelmeldung im Internet sind zahlreiche Punkte der vor über 10 Jahren beschlossenen Radverkehrspolitik abgearbeitet. Trotz unterschiedlicher Perspektiven und Wünsche ist der Erfolg unübersehbar.

Die Prognose über den Anteil der einzelnen Verkehre nach Umsetzung der 1. Verkehrsentwicklungsplans (Nov. 2006) beschlossenen Maßnahmen sah den Anteil aller Radverkehre im Jahr 2020 bei 7,1 % und die innerstädtischen Radverkehre bei 10,7 %. Die all fünf Jahre stattfindende bundesweite Mobilitätsbefragung der TU Dresden stellte in Düsseldorf für das Jahr 2008 schon einen Radverkehrsanteil von 11% an allen Verkehren und von 12,5% an den Binnenverkehren fest. Damit ist das städtische Ziel von einem Radverkehrsanteil von 16 %, wie es im Klimaschutzprogramm der Landeshauptstadt formuliert ist, und das Ziel der AGFS von 25 % noch lange nicht erreicht, aber klar ist: Die Verkehrsnachfrage in Düsseldorf hat sich beachtlich zu Gunsten des Radverkehrs verschoben.

Soll der Grundsatz der Nachfrageorientierung des Verkehrsentwicklungsplans beibehalten werden, so ist es an der, Zeit dieser Entwicklung mit einem umfassenden und integriert erstellten Masterplan Radverkehr Rechnung zu tragen. Ansonsten wird das bisherige Netz und die Stellplatzanlagen den weiter wachsenden Radverkehr nicht mehr aufnehmen können. Der Radverkehr hat im Alltag der Düsseldorferinnen und Düsseldorfer sowie bei den Pendlerinnen und Pendlern einen festen Platz. Sie alle haben berechtigte Ansprüche an die Leichtigkeit und den Komfort des Radverkehrs in Düsseldorf. Auf zentralen Achsen wollen sie – auch aus den benachbarten Städten – gefahrlos langsamere Radverkehrsteilnehmende überholen können. Die Wegeoberflächen sollen auch für den raschen Radverkehr gut geeignet sein. Radwege sind keine falsch markierten Parkplätze. Und am Fahrtziel soll das zunehmend wertvollere Zweirad ohne Umstände gesichert werden können.

Darüber hinaus braucht das Rad im fließenden Verkehr nur 1/10 des Platzes eines PKW, und emittiert im Betrieb keine Feinstäube, Stickoxide und CO2. Radfahren macht Spaß und hält gesund. Angesichts der Platzprobleme auf Düsseldorfs Straßen, den mitunter sehr erheblichen Umweltbelastungen entlang der Hauptstraßen, den volkswirtschaftlichen Schäden von Bewegungsarmut und angesichts der eigenen klimapolitischen Ziele sollte Düsseldorfs Verkehrspolitik deutlich „Ja zum Fahrrad“ sagen. Düsseldorfs Radverkehr ist nicht mehr im Jahr 2000 und es ist Zeit den Düsseldorferinnen und Düsseldorfern ein positives Bild vom Radfahren in Düsseldorf zu vermitteln, damit die Radverkehrsanteile in Düsseldorf bald die selbst gesetzten Zielwerte erreichen. Viele mehr oder weniger Fahrradinteressierte können durch gezielte Marketingmaßnahmen vom jeden-Tag-Radeln überzeugt werden.

Mit freundlichen Grüßen

Norbert Czerwinski        Dietmar Wolf    Stephan Soll