Antrag zu: Westliche Verlängerung S 28 vorantreiben
13. Jan 2010

An
Martin Volkenrath
Vorsitzender des Ordnungs- und Verkehrsausschusses

Sehr geehrter Herr Volkenrath,

die Fraktion von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN bittet Sie, folgenden Antrag auf die Tagesordnung der Sitzung am 13. Januar 2010 zu nehmen und zur Abstimmung zu bringen:

Der Ordnungs- und Verkehrsausschuss bittet die Verwaltung, eine Reaktivierung der Trasse von Kaarst nach Mönchengladbach bzw. Viersen als Verlängerung der S 28 voranzutreiben. Hierzu sollen Gespräche mit den linksrheinischen Kommunen (Neuss, Kaarst, Willich, Mönchengladbach) und Kreisen (Kreis Viersen, Rhein-Kreis Neuss), dem Aufgabenträger für den Schienenpersonennahverkehr (VRR), der Bezirksregierung Düsseldorf und dem zuständigen Landesministerium für Bauen und Verkehr (MBV) geführt werden. Der Ausschuss wird über die Ergebnisse der Bemühungen informiert.

Der Ordnungs- und Verkehrsausschuss bittet die Düsseldorfer Vertreterinnen und Vertreter im Regionalrat Düsseldorf und in der Zweckverbandsversammlung des VRR, eine Reaktivierung der Trasse bei den Beratungen zu unterstützen.

Sachdarstellung:
Vor 10 Jahren wurde die Regiobahn S 28 von Kaarst nach Mettmann in Betrieb genommen. Sie hat die Erwartungen deutlich übertroffen, schuf sie doch eine attraktive Verbindung für viele PendlerInnen, die zuvor mit dem Auto nach Düsseldorf kamen. Von Anfang an wurden auch Verlängerungen der Strecke nach Osten und Westen ins Auge gefasst.

Im Rahmen der Beratungen zum Integrierten Gesamtverkehrsplan NRW (IGVP) wurden beide Verlängerungsoptionen geprüft. Dabei wurde die Verlängerung der S 28 nach Osten Richtung Wülfrath und Wuppertal-Vohwinkel in die erste Ausbaustufe eingestellt, 2006 im Bedarfsplan Schiene und 2009 im Nahverkehrsplan des VRR verankert.

Die Verlängerung Richtung Westen gelangte nur in die Stufe 2 des IGVP. Hintergrund waren die Pläne zum Ausbau des Verkehrslandeplatzes Mönchengladbach zu einem Flughafen. Deshalb wurden Überlegungen angestellt, bei der Verlängerung der S 28 von der alten Trasse abzuweichen und den Flughafen anzubinden. Dafür wären kostspielige Verkehrsbauten und zeitraubende Planverfahren nötig gewesen, die den Kosten-Nutzenfaktor, der Grundlage für die Einstufung war, negativ beein-flussten.

Im September 2005 lehnte der Regionalrat Düsseldorf die für einen Flughafenausbau nötige Regionalplanänderung ab. Im Februar 2008 zog die Flughafengesellschaft Mönchengladbach ihren Antrag auf Verlängerung der Start- und Landebahn zurück. Der Flughafen Düsseldorf plante daraufhin, den Verkehrslandeplatz Mönchen-gladbach verstärkt für Geschäftsflüge zu nutzen, um damit den Flughafen Düsseldorf zu entlasten. Nun hat ein Gutachten der Deutschen Flugsicherung die damaligen Bedenken des Planfeststellungsverfahrens erneut bestätigt: Starts und Landungen in Mönchengladbach behindern den Flugverkehr in Düsseldorf und stellen somit keine Entlastung sondern eine Störung dar. Der Flughafen Düsseldorf hat deshalb die Kooperation mit Mönchengladbach gekündigt. Verstärkter Flugverkehr ist also weder sinnvoll noch zu erwarten.

Auf diesem Hintergrund sollten die Pläne für eine Verlängerung der S 28 nach Westen erneut geprüft werden. Nun kann unter Verzicht auf kostspielige Neubauten und Trassierungen eine Reaktivierung der noch vorhandenen Trasse geplant werden. Sie ist planungsrechtlich weiterhin dem Bahnverkehr gewidmet und bietet die Möglichkeit ab Neersen sowohl Mönchengladbach wie Viersen mit Flügelzügen zu erreichen.

So würden nicht nur die linksrheinischen Kommunen neue Verbindungen, sondern auch die PendlerInnen nach Düsseldorf neue und attraktive Direktverbindungen, z. B. nach Willich und Viersen, erhalten. Sowohl der Verkehrsentwicklungsplan als auch die im letzten OVA vorgestellte Mobilitätsbefragung zeigen, dass der Pendlerverkehr mit dem Auto die größte Belastung für den Düsseldorfer Verkehr und die Umwelt darstellt. Für einen Umstieg auf den ÖPNV sind attraktive (Direkt-)Verbindungen nötig. Eine Verlängerung der S 28 würde dies bieten.

Sie liegt deshalb deutlich im Düsseldorfer Interesse. In Gesprächen mit allen Beteiligten sollte jetzt eine Neubewertung der Verlängerung angestrebt werden, um eine baldige Reaktivierung möglich zu machen.

Mit freundlichen Grüßen

Norbert Czerwinski    Stephan Soll