Anfrage zu: Sanierung der Boden-und Grundwasser-Verunreinigung mit PFT in Lohausen / Kaiserswerth
05. Nov 2015

An
Herrn Oberbürgermeister
Thomas Geisel

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Geisel,

die Bevölkerung in Düsseldorf und insbesondere die Anwohner*innen in den Stadtbezirken Lohausen / Kaiserswerth fühlen sich durch die aktuelle, widersprüchliche Medienbericht-erstattung zur PFT-Belastung des Bodens und des Grundwassers (nord)westlich des Düsseldorfer Flughafens verunsichert. Die letzte Informationsveranstaltung für Bürger*innen fand im November 2014 statt, die Informationen auf den städtischen Internetseiten zur PFT-Situation in oben genanntem Gebiet sind auf dem Stand von Anfang 2015.

Vor diesem Hintergrund bitten wir Sie, folgende Fragen in der Ratssitzung vom 05.11.2015 auf die Tagesordnung zu nehmen und durch die Verwaltung beantworten zu lassen.

1. Welche Messungen / Beprobungen werden zurzeit regelmäßig durchgeführt, und welche aktuellen Messwerte / PFT-Konzentrationen im Eintrags- und im Ausbreitungsgebiet liegen vor?

2. Wann wurden bzw. werden an den Eintragsstellen am Flughafen Abschirmungs-Maßnahmen zur Verhinderung einer weiteren Ausbreitung der PFT-Fahnen ergriffen?

3. Nach welchem kurz-, mittel- und langfristigen Sanierungskonzept für die Wasser- und Bodenverunreinigungen mit PFT sowohl im Eintrags- als auch im Ausbreitungsgebiet wird verfahren?

Sachdarstellung:
Bereits Ende 2013 wurden auf dem Flughafengelände Düsseldorf vier Eintragsstellen von PFT (Perflourierten Tenside) identifiziert: Ein ehemaliges Feuerlöschübungsbecken, die Unfallstelle einer Frachtmaschine der Atlas Air, die Feuerwache Nord des Flughafens und ein Tanklager.

Zum Löschen von Öl- und Kraftstoffbränden werden / wurden PFT-haltige Löschschäume eingesetzt.  Die in den Löschschäumen enthaltenen giftigen Stoffe sind in den Boden gelangt. Vom Flughafen Düsseldorf aus bewegen sich PFT-Fahnen im Grundwasser in westlicher und nordwestlicher Fließrichtung zum Rhein hin. Die Strömungsgeschwindigkeit des Grund-wassers beträgt hier ca. 1 Meter pro Tag. Ein natürlicher Abbau oder der Rückhalt der PFT durch den Boden ist nicht zu erwarten. Die synthetisch hergestellten Stoffe sind weder biologisch abbaubar noch in merkenswertem Umfang adsorbierbar.

Die Gesamtverunreinigung durch diese toxischen Stoffe muss sowohl an den Eintragsstellen als auch im Ausbreitungsgebiet schnell und umfangreich saniert werden. Dabei hat die Abschirmung der Eintragsstellen am Flughafen zunächst Priorität, damit ein weiterer PFT-Austrag in Boden und Grundwasser unterbunden ist und der bereits belastete Unterstrom im gesamten Gebiet sowie die Eintragsstellen nachhaltig saniert werden können.

Die Stoffgruppe der Perflourierten Tenside steht unter Verdacht krebserregend zu sein. Die persistenten Stoffe verbleiben für Jahrhunderte in der Umwelt. Sie reichern sich stark in Organismen und den Umweltmedien an und werden auch von Pflanzen aufgenommen. Sie werden bereits weltweit im Wasser, in Tieren, Lebensmitteln und auch in Menschen festgestellt. Rechtsverbindliche Grenzwerte für die Stoffgruppe PFT gibt es bisher nicht. Die Herstellung, Verwendung und das Inverkehrbringen von PFOS – dem am häufigsten eingesetzten Tensid – sind seit 2010 europaweit verboten.

Mit freundlichen Grüßen

Angela Hebeler        Norbert Czerwinski

 

Anlage 1
Gesetzliche Grundlagen


Die Herstellung, die Verwendung und das Inverkehrbringen von PFOS (Perflour-Octansulfonsäure) sind europaweit verboten. PFOS ist chemikalienrechtlich ein persistenter organischer Schadstoff (POP). Demnach gelten in der Europäischen Union folgende Beschränkungen für PFOS:

• Stoffe oder Gemische mit einem PFOS-Gehalt von > 0,001 %,
• neue Erzeugnisse oder Teile davon mit einem PFOS-Gehalt von 0,1 % und mehr,
• neue Textilien oder andere neue beschichtete Werkstoffe mit einem Gehalt von 1 μg/m² oder mehr dürfen nicht hergestellt, nicht in Verkehr gebracht und nicht verwendet werden.

Ausnahmen gelten für folgende Verwendungen, solange keine Alternativen bestehen:
• Fotoresistlacke und Antireflexbeschichtungen für fotolithographische Prozesse
• Fotographische Beschichtungen von Filmen, Papieren und Druckplatten
• Mittel zur Sprühnebelunterdrückung für nicht dekoratives Hartverchromen (Chrom VI) in geschlossenen Kreislaufsystemen
• PFOS-haltige Netzmittel für überwachte Galvanotechniksysteme (durften noch bis 26. August 2015 verwendet werden)
• Hydraulikflüssigkeiten für die Luftfahrt

PFOS-haltige Feuerlöschschäume mit einem Gehalt von mehr als 0,001 % durften noch bis zum 27. Juni 2011 verwendet werden. Mit diesen Vorschriften hat die EU internationale Vereinbarungen der Stockholmer Konvention umgesetzt. PFOS ist im Anhang B der Stockholmer Konvention enthalten, welche die Vertragspartner verpflichtet, PFOS in ihrem jeweiligen Hoheitsgebiet zu beschränken.

Mit Wirkung vom 20.06.2013 wurde PFOA als SVHC-Stoff („Substances of very high concern“) in die Kandidatenliste nach Artikel 59 der REACH-Verordnung aufgenommen.  In der Folge könnte PFOA in die Liste der zulassungspflichtigen Stoffe aufgenommen oder weiteren Beschränkungen unterworfen werden.

Durch die Verordnung (EU) Nr. 1342/2014 vom 17. Dezember 2014 wird die Verordnung (EG) Nr. 850/2004 über persistente organische Schadstoffe hinsichtlich der Anhänge IV und V geändert. Sie trat am 18.06.2015 in Kraft. In den Anhang IV der Liste der Stoffe, die den Abfallbewirtschaftungs-bestimmungen gemäß Artikel 7 unterliegen, wird Perfluoroctansulfonsäure (PFOS) und ihre Derivate mit der Konzentrationsgrenze gemäß Artikel 7 Absatz 4 Buchstabe a von 50 mg / kg neu aufgenommen.

Antworten der Verwaltung