„Taste the Waste – Frisch auf den Müll“ von Valentin Thurn

Gegen Lebensmittelverschwendung!


GRÜNE Düsseldorf unterstützen die NRW-Kampagne
"Neue Wertschätzung für Lebensmittel"

Lebensmittelverschwendung ist in aller Munde: Der Beitrag des Filmemachers Valentin Thurn hat das Thema ins Rollen gebracht und die Menschen empört. Mehr als die Hälfte Lebensmittel in den Industrieländern landet im Müll – das ist seine schockierende Botschaft.

Es ist ein ethisches, wirtschaftliches und ökologisches Problem, dass Tonnen von Lebensmitteln auf dem Müll landen. Diese Verschwendung ist nicht nur zynisch gegenüber allen, die hungern, sie ist auch eine tägliche Vergeudung von vielen wertvollen Rohstoffen.

An der grandiosen Verschwendung sind alle Akteure der Lebensmittelkette beteiligt: Erzeuger, Hersteller, Handel, Gastronomie und Verbraucher/innen.  

Von welchen Dimensionen haben wir auszugehen?  

Weltweit liegt der Anteil der Lebensmittel, die nicht auf unserem Teller landen,  bei 1/3 der produzierten Waren. Lebensmittelverluste sind auf allen Stufen der Wertschöpfungskette zu verzeichnen. Die Welternährungsorganisation FAO fasst in der Studie „Global Food Losses and Food Waste“ zusammen (vorgestellt bei der Sonderkonferenz „Save Food“, auf der Messe „Interpack“ Mai 2011 in Düsseldorf):

- Lagerung und Transportverluste sind in weniger entwickelten Ländern die größten Probleme. Die Konsumenten stehen hier nicht im Fokus: Sie sind nur für 6-11 kg Abfall verantwortlich – zum Vergleich: die FAO rechnet für die industrialisierten Länder mit einer Menge zwischen 95-115 kg/Konsument.

- In den Industrieländern ist ein wichtiger Faktor, dass Lebensmittel durch Konsument/innen aufgrund falscher Einkaufsplanung und einer falschen Einschätzung des „best before date“ bzw. „MHD“ (Mindesthaltbarkeitsdatum) weggeworfen werden – oder weil die  Produkte nicht so aussehen wie z.B. die Werbung verspricht.  

Die EU schätzt, dass pro Person jedes Jahr rund 180 kg Lebensmittel weggeworfen werden. Insgesamt befürchtet sie, dass das Volumen der weggeworfenen Lebensmittel bis zum Jahr 2020 um 40% auf rund 126 Mio. t (!) ansteigen wird, wenn keine Gegenmaßnahmen ergriffen werden.

Die größten Verluste in Europa werden auf der Stufe Landwirtschaft zu Handel/ Verarbeitung verzeichnet. Wichtigste Ursache: Produkte, die in Größe, Farbe und Form nicht den erwarteten Eigenschaften oder Normen entsprechen.

Aktuelle Untersuchungen z.B. im Auftrag der Fa. Cofresco zeigen, dass in Deutschland rund  21% unserer eingekauften Lebensmittel im Müll landen, das sind pro Person 80 kg und 300,- € im Jahr! Gemeint sind hier vermeidbare Abfälle, nicht etwa Kartoffel- oder Bananenschalen. Ein Fünftel davon sind Lebensmittel, die ungeöffnet im Müll landen.

Die Hälfte der weggeworfenen Lebensmittel ist leicht verderbliches Sektor Obst und Gemüse. Die Verringerung der Lebensmittel-Verschwendung hat großes wirtschaftliches und ökologisches Potenzial: Ressourcen, Abfall und klimaschädliches CO2 werden eingespart. Das zeigen die Erfahrungen in Großbritannien, wo vor fünf Jahren ein ähnliches Projekt („Love Food – Hate Waste“) gestartet wurde. Dort landeten jährlich 8,3 Millionen Tonnen Lebensmittel auf dem Müll. Innerhalb der fünf Jahre dauernden Kampagne wurden 670.000 Tonnen Lebensmittel weniger weggeworfen.

In Deutschland geben die Bürgerinnen und Bürger rund 10 % ihres Einkommens für Lebensmittel aus (1970 waren es 20 %). In anderen europäischen Staaten ist der Anteil höher: Fast 16 % sind es in Frankreich, über 20 % in Spanien und Italien. Die Preise für Lebensmittel sind die niedrigsten im europäischen Vergleich.

Wo setzen wir an?

Wir sagen: Es kann nicht der richtige Weg sein, bei der Ernährung nur auf den Preis zu achten – oder nur mit dem Preis zu werben. Wenn Waren verramscht werden, darf man sich nicht wundern, wenn Kunden Lebensmittel leichten Herzens wegwerfen.

Der grüne NRW-Umwelt- und Verbraucherminister Johannes Remmel fordert den Handel auf, hier deutliche Zeichen zu setzen:

- Keine vollen Regale am Abend: Kurz vor Ladenschluss müssen die Regale mit frischen Waren nicht mehr so voll sein wie am Morgen -  um das  Verständnis der Verbraucherinnen und Verbraucher muss geworben werden

- Kleinere Verpackungsgrößen : Der Trend zu Single-Haushalten muss sich stärker in den Regalen wiederfinden

- Bessere Kommunikation des Mindeshaltbarkeitsdatums und Rabatte vor dessen Ablauf, um einen stärkeren Kaufanreiz zu bieten

- Bessere und effizientere Verteilung von Lebensmitteln, die nicht mehr verkauft werden sollen, an die Wohlfahrtsverbände (z.B. für die Tafeln).

Wir möchten eine Diskussion anstoßen, ob Lebensmittel immer einer Norm entsprechen müssen.

Obst oder Gemüse, das in Größe und Farbe abweicht, können Landwirte oft nicht verkaufen. Und bei Schinken oder Käse sieht oft das billige Imitat echter aus als das wertvolle und natürliche Original. Der Handel, die Produzenten, aber auch wir als VerbraucherInnen müssen ein neues Verhältnis zu natürlichen Produkten entwickeln. Die Natur entspricht nicht immer der Norm - das sollte auch die Werbung nicht suggerieren!

Wir wollen und müssen nachhaltiger konsumieren. Wir wollen eine neue Wertschätzung für gute, gesunde und ehrliche Lebensmittel erreichen.