Sonja Fasbender

Sonja Fasbender

Praktikantin in der Ratsfraktion vom
15. 08.2011 bis zum 29.09.2011



Aus dem Alltag einer Praktikantin in der Grünen Ratsfraktion

 

Ein Erfahrungsbericht

Ich studiere an der Uni Düsseldorf Sozialwissenschaften im dritten Semester, mit den Schwerpunkten Politik- und Medienwissenschaften und Soziologie.
Aus zwei Gründen habe ich mich für ein siebenwöchiges Praktikum bei der GRÜNEN Ratsfraktion in Düsseldorf entschieden:
Ich möchte in der Praxis lernen, wie Kommunalpolitik funktioniert. In der Presse sind die großen Themen von Bund und Ländern dominant. Aber was ist eigentlich in der Kommunalpolitik los? Inwieweit können die Städte in einer komplexer werdenden Welt überhaupt noch eigenständige Entscheidungen treffen?
Zum Zweiten interessierten mich Struktur, Öffentlichkeitsarbeit und interne Kommunikation von Parteien. Die Theorie der Parteienforschung ist mir aus dem Studium bereits vertraut, aber wie die Theorie im Parteialltag in die Praxis umgesetzt wird, möchte ich konkret miterleben.


Der Fraktionsalltag

Ich übernahm Verwaltungsaufgaben, wie die Erstellung von Tabellen, Aktenführung, Dienstgänge und die Pflege fraktionsinterner Datenbanken. Außerdem  kommunizierte ich per Mail und Telefon mit Bürgern, Fraktionsmitgliedern und Behörden.
Besonders spannend waren die mehr konzeptionellen Arbeiten: Das Verfassen von Pressemitteilungen und Entwürfen für Anträge oder Anfragen. Darüber hinaus unterstützte ich die Fraktion bei der Recherche und Aufbereitung inhaltlicher Themen, wie beim Thema „Frauenquote bei der IHK“. Zwischendurch boten sich Gelegenheiten, den Fraktionsmitgliedern Fragen zu aktuellen politischen Themen zu stellen sowie an Pressegesprächen zum Thema „Hassels-Nord“ und „Regio-Gipfel 2011“ teilzunehmen.


Meine Erfahrungen während der „Sommertour“

Dieses Jahr fand zum ersten Mal die GRÜNE Sommertour statt. Interessierte Bürger und Bürgerinnen erhielten die Gelegenheit, zusammen mit der Ratsfraktion hinter die Kulissen von Düsseldorfer Unternehmen und Kultureinrichtungen zu schauen. Ich übernahm die Fotodokumentation von drei Tourstationen und konnte die Fraktion aktiv bei der Projektorganisation unterstützen.
Besonders überraschte mich die positive Resonanz der Bürger und Bürgerinnen. Die Teilnehmerzahlen waren trotz Sommerferien sehr hoch, viele nahmen an mehreren Veranstaltungen teil und einige wünschten, es gäbe vergleichbare Veranstaltung regelmäßig einmal im Monat.


Besuch der Ausschüsse

Am 06.09.2011 besuchte ich den Schulausschuss. Hier stand die sogenannte „eSchool“ im Fokus der Debatte. Die Wortmeldungen waren zahlreich, denn es ging unter anderem um die sensible Frage: Wird es in Zukunft nur virtuellen Unterricht geben? Hier spalteten sich die anwesenden Politiker in die Gruppen „Digital Natives“ und „Digital Immigrants“, wobei letztere die Mehrheit bildete.
Einen Tag später tagte der Ausschuss für Gesundheit und Soziales mit einer umfangreichen Tagesordnung. Bei einem Punkt ging es um Schwierigkeiten bei der Umsetzung des Bildung- und Teilhabepakets (BuT) für Kinder und Jugendliche aus einkommensschwachen Familien. Hier flammte kurz eine Debatte zwischen den Parteien darüber auf, wie stark benachteiligte Kinder denn überhaupt unterstützt werden müssten. Die Ansichten der Regierungsmehrheit CDU/FDP und der Opposition von GRÜNEN und SPD gingen dazu weit auseinander.
Ich besuchte außerdem den Anregungs- und Beschwerdeausschuss, indem die Wünsche von Politik, Verwaltung und BürgerInnen aufeinander trafen. Besonders gesellschaftspolitisch interessant war der Antrag eines jungen Ehepaares auf mehr Trauungstermine an Samstagen. Es ging darum, dass immer mehr BürgerInnnen nur standesamtlich heiraten und dies feierlich im Rahmen von Familie und Verwandtschaft geschehen soll.


Letzter Tag: Ratssitzung am 29.09.2011

Morgens erledigte ich letzte Vorbereitungen für den Besuch von interessierten BürgerInnen bei der Ratsfraktion. Dann nahmen alle am großen Fraktionsfrühstück teil und die GRÜNEN Ratsmitglieder trafen währenddessen letzte Absprachen für die Ratssitzung.
Im Rat war die Atmosphäre zum Teil sehr spannungsgeladen, unter anderem weil die Opposition erfolglos für eine gerechtere Tagesordnung plädierte, auf der alle Anträge weiter vorne stehen.
Ich verließ mehrmals die Zuschauertribüne für Interviews mit dem Fraktionssprecher Norbert Czerwinski, der Fraktionssprecherin Iris Bellstedt und dem Ratsherr Christoph Gormanns zu den Themen „Gesamtschuldenstand in Düsseldorf“,  „Einführung des Sozialtickets“, „Energiepolitik“ und „Barrierefreiheit“. Die Statements hielt ich in einem Video fest.


Fazit

Ich habe einen Eindruck gewonnen, wie Parteiarbeit auf kommunaler Ebene funktioniert. Themen, die auf den ersten Blick einfach wirkten, stellten sich als sehr vielschichtig und kompliziert heraus. Auffallend häufig werden in Düsseldorf zurzeit die Themen Verkehr und Wohnen diskutiert: Gibt es genug bezahlbaren Wohnraum? Wie können die Brände im Wohnquartier Hassels- Nord gestoppt werden und die Lebensqualität dort verbessert werden? Wie soll der Bau des KÖ-Bogens und der Abriss der Autohochstraße „Tausendfüßler“ verhindert werden? Wie kann die regionale Zusammenarbeit optimiert werden?
Ich bedanke mich bei meinen Kollegen für die gute Arbeitsatmosphäre und die kollegiale Zusammenarbeit!
Es war sehr aufschlussreich, Kommunalpolitik durch die grüne Brille zu betrachten. Ich kann jedem Interessierten nur empfehlen, dies ebenfalls auszuprobieren.